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Montag, 1. Januar 2018

Kapitel 8 - Jungs und Mädchen




Tannas Augen hatten vor Begeisterung geleuchtet, als die Großen mit Äpfeln aus dem Wald zurückgekehrt waren. Und sie hatten geradezu gestrahlt, als sie doch tatsächlich einen der köstlichen kleinen Dinger in die Finger bekommen. Jetzt jedoch leuchteten nur noch die Tränen in ihren Augen. Denn Jin war aufgetaucht, hatte den Apfel aus ihren Händen genommen, bevor sie auch nur einen Bissen hatte nehmen können, und momentan schwebte die verlockende Frucht über ihr. Ab und an war sie etwas näher, aber kaum, dass sie sich danach ausstreckte, verschwand sie wieder aus ihrer Reichweite.
     Jin wiederum hatte einen Heidenspaß daran, die kleine Nervensäge zu ärgern. Endlich, nach so langem Warten, war er größer als sie und konnte ihr heimzahlen, dass sie ihn immer an den Haaren gezogen hatte. Dass sie immer geheult hatte, wenn er ihr etwas weggenommen hatte. Und die vielen Male, die sie ihn verpetzt hatte, natürlich. Mädchen waren wirklich nervig. Aber er war jetzt endlich so groß, dass sie - dass ihm niemand mehr etwas konnte. Außer seinem Vater natürlich. Aber solange der nicht in der Nähe war, konnte er tun und lassen, was er wollte.


In dem Moment, als er den Apfel noch einmal in die Höhe wandern ließ, tauchte aber ausgerechnet Lu auf der Bildfläche auf, und er hatte wirklich den Nerv, sich einzumischen.
     „Jin, du sollst die Kleinen doch nicht immer ärgern!“, ereiferte er sich.
     Dachte er etwa allen Ernstes, dass er ihm noch etwas zu sagen hatte? Diese Dreistigkeit lenkte ihn so sehr vom eigentlichen Geschehen ab, dass er ganz vergaß, den Arm oben zu halten. Lenn, der Äpfel genauso mochte, wie Tanna, den seinen aber schon verschlungen hatte, nutzte daraufhin die Gunst der Stunde und stibitzte das Objekt der Begierde. Tanna begann nun in seine Richtung zu heulen, aber das interessierte den Kleinsten in der Runde nicht.
     Auch Jin kümmerte sich nicht weiter darum. Stattdessen richtete er seine volle Aufmerksamkeit auf seinen älteren Bruder, der vor einiger Zeit noch so viel größer als er gewesen war. Aber damit war jetzt Schluss. Jetzt würde er Lu-Langweiler endlich zeigen, wo der Faustkeil hing.


„Was willst du denn, hä?“, fragte er zähnefletschend und legte dabei all die aufgestaute Wut in einen Blick.
     Lu sah daraufhin aus, als wolle er den Kopf einziehen, aber er kratzte noch einmal den Rest seines kläglichen Mutes zusammen. „Dass du aufhörst, dauernd die Kleinen zu ärgern!“, wiederholte er.
     Jin ballte seine rechte Hand zur Faust und schlug sie in seine linke Handfläche. Sofort ging Lu da auf Abstand. 
     „Na gut, dann mach ich eben mit dir weiter! Angeblich bist du ja älter als ich. Na, komm! Ich mach dich fertig! Du gehst mir sowieso schon seit Ewigkeiten auf die Nerven! Diese Abreibung ist längst überfällig!“ 
     Er grinste und zeigte dabei seine Zähne. Lu sah inzwischen aus, als würde er sich gleich in die Hosen machen. Es war einfach zu köstlich.


Weniger köstlich war, dass Tanna sich im nächsten Moment in seiner Hand verbiss. Ein grässlicher Schmerz durchfuhr ihn, und als er versuchte, sie abzuschütteln, wurde es nur noch schlimmer. Erst, als sie von sich aus beschloss, ihn loszulassen, wurde er sie wieder los. 
     Jetzt war sie definitiv zu weit gegangen. „Au! Du miese Kleine…“ Er hob seine Faust in Richtung des kleinen Mädchens. Bevor er jedoch auch nur einen Schritt tun konnte, hatte sich Lu zwischen ihn und sie geschoben, und auch wenn er immer noch aussah, als wäre er lieber ganz woanders, machte er keine Anstalten zu weichen. 
     Aber sein Schutz war auch gar nicht nötig. Jin hatte sowieso nicht vor, ein Mädchen zu hauen. So tief würde er nicht sinken.


Und dann war der Spaß sowieso vorbei. Tann tauchte zwischen den Zelten auf, und sie alle wussten, dass er der Einzige von den Jüngeren war, vor dem Jin genug Respekt hatte, um auf ihn zu hören. Das hatte er sich auch mühsam verdient.
     „Was ist denn hier los?“, fragte der Neuankömmling, als er bemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte.
     Lu wollte den Mund aufmachen, aber ein warnender Blick von Jin reichte, um ihn schweigen zu lassen. 
     Bei Tanna funktionierte das jedoch nicht. „Schinn pöse zu mi!“, rief sie empört.
     Der gifitige Blick wanderte zu ihr, dann jedoch grinste Jin ertappt. Tann brauchte ihn nicht einmal mehr zu tadeln. Sein missgünstiger Blick reichte vollkommen aus, um Jin zu sagen, dass er etwas falsch gemacht hatte und der Ältere das überhaupt nicht guthieß. 
     Gleichzeitig wusste Tann aber auch, dass es sowieso vergebliche Liebesmüh war, Jin auszuschimpfen oder bestrafen zu wollen. Er würde vielleicht schmollen, eine Weile den Kopf einziehen, aber dann so weiter machen, wie zuvor. Als wäre nie etwas geschehen.


Also musste er sich etwas anderes einfallen lassen. Nachdem er eine Weile nachgedacht hatte, sagte er schließlich in Richtung des Unruhestifters: „Jin, hör mal, anstatt deine Zeit hier damit zu verschwenden, die Kleinen zu ärgern, solltest du mir lieber helfen.“ Wie erwartet, wurde der andere Junge natürlich sofort hellhörig. „Du weißt ja, dass ich für meinen Stammesführerritus noch viel üben und trainieren muss. Du bist der Schnellste von uns. Wie wär’s, wenn wir zwei um die Wette rennen, damit ich trainieren kann, schneller zu werden? Dafür zeig ich dir auch einen Trick, wie du besser Fische fangen kannst.“
     Es war eigentlich ziemlich einfach, Jin dazu zu bekommen, zu tun, was man von ihm wollte, wenn man nur wusste, wie. Und glücklicherweise wusste Tann das. Er und Jin waren sich in vielerlei Dingen ziemlich ähnlich. Der einzige Unterschied zwischen ihnen war, dass Tann geduldiger war und seinen Kopf mehr zum Denken benutzte, anstatt ihn als Rammbock zu verwenden.
     Dementsprechend hellte sich Jins Gesichtsausdruck natürlich sofort auf. Er nickte eifrig und war schon halb aus dem Lager draußen, bevor Tann sich überhaupt umdrehen konnte. Mit einem entschuldigenden Blick in Lus Richtung, folgte Tann dem hitzköpfigen Jüngeren lieber.

   
Zurück blieben ein eingeschüchterter Lu und eine immer noch schluchzende Tanna, die dem genüsslich schmatzenden Lenn neben sich immer wieder böse Blicke zuwarf. Bevor sie noch auf die Idee kommen konnte, sich jetzt auch noch mit ihm zu streiten, riss sich Lu zusammen und strich dem schluchzenden Mädchen beruhigend übers Haar. In letzter Zeit fiel die Aufgabe, Jins Scherbenhaufen zu beseitigen, den er oft zurückließ, immer häufiger ihm zu. Aber das war in Ordnung. Wenn er Tann auch nur etwas abnehmen konnte, war Lu froh, zu helfen.
     „Wein nicht, Tanna! Ich hole dir einen neuen Apfel, ja?“ 
     Sofort verschwanden die Wolken in ihrem Gesicht da wieder und die Sonne kehrte zurück. Zuerst nur zögerlich, aber dann strahlte sie endlich wieder.


Tanna war mehr als nur froh, als sie die Anderen endlich an Größe eingeholt hatte. Von jetzt an würde Jin sie nicht mehr ärgern können, schwor sie sich. Aber, und das war noch viel wichtiger, hatte sie sich vorgenommen, Tann zu beeindrucken. Sie mochte Lu, und sie konnte Lenn ganz gut leiden, aber Tann war derjenige, der sie von klein auf an immer beschützt hatte. Er war stark, er war schlau, und vor allen Dingen war er so viel netter als die anderen Jungs. Deshalb bewunderte sie ihn, und sie nahm sich vor, ihm zu zeigen, was sie draufhatte.


Doch vorerst geriet sie erst einmal wieder an Jin. Natürlich ließ der sich nicht davon beirren, dass sie inzwischen mit ihm auf einer Augenhöhe war. Er schlich sich von hinten an sie heran, als sie gerade dabei war, arglos zu den Pinkelbüschen zu gehen, und stieß einen barbarischen Schrei aus. Der Schrecken durchfuhr Tanna daraufhin erst einmal gewaltig, und ihr Herz schlug noch eine ganze Weile heftig von innen gegen ihren Brustkorb. Doch sie war nicht länger ein wehrloses kleines Mädchen. Jetzt war es endgültig genug!


Wutentbrannt wirbelte sie herum und funkelte Jin wütend an, den das natürlich überhaupt nicht zu interessieren schien.
     „Sag mal, macht dir das eigentlich Spaß, andauernd nur Kleinere zu ärgern, die sich nicht wehren können?“ 
     Was für eine Frage! Schon an seinem blöden Grinsen konnte sie ablesen, dass ihm das natürlich ein diebisches Vergnügen bereitete. Aber sie war auch noch nicht fertig mit ihm. „Hast du etwa Angst davor, dich mit jemandem anzulegen, der sich wehren könnte?“ 
     Das hatte gesessen. Er wurde wütend. Aber Tanna ließ ihn nicht einmal zu Wort kommen. „Ehrlich mal, als Junge solltest du eigentlich diejenigen beschützen, die schwächer sind als du! Das ist ganz schön armselig von dir!“
     Ihre Worte wischten seine Wut augenblicklich aus seinem Gesicht und er war doch tatsächlich einmal sprachlos. Dass sie das noch erleben durfte!


Jin war normalerweise nicht der Typ, den man mit Worten überzeugen konnte. Er kannte und schätzte nur das Recht des Stärkeren. Wer stärker war als er, den schätzte und respektierte er. Alle anderen waren nur feige Schwächlinge. Aber Tannas Worte hatten tatsächlich dazu geführt, dass man ihn das erste Mal wirklich nachdenken sehen konnte.
     Obwohl sie befürchtete, dass er sie diesmal wirklich hauen würde – wofür sie durchaus bereit war – kam er schließlich zu einem überraschenden Schluss. Er hob einen Finger und verkündete: „Du hast recht!“ 
     Tanna dachte zuerst, sich verhört zu haben. Jin gab wirklich zu, dass jemand anderes recht hatte! 
     „Ab heute werde ich dich und die Anderen beschützen, versprochen!“ Er grinste. „Hey, für ein Mädchen bist du gar nicht so schlecht. Ich glaube, du bist ganz in Ordnung.“
     Dann drehte er sich um und ging von Dannen. Vielleicht waren Mädchen doch nicht so schlimm. Lulu hatte ihn bislang schließlich auch nicht genervt. Im Gegenteil, wenn jemand Lulu wach gemacht hatte, hatte er immer dafür gesorgt, dass er gefälligst leise war. Vielleicht, ja vielleicht musste er seine Meinung über Mädchen noch einmal revidieren.


Tann derweil sah das ein bisschen anders. Es war, nach einer Ewigkeit, so schien es ihm, endlich so richtig warm geworden, aber er war trotzdem hier und musste auf die Kleineren aufpassen. Und das, obwohl sein Vater und Sen gerade auf Jagd waren. Tann wäre nur zu gern mit ihnen gegangen, aber seit der ganzen Sache mit Jin und Lu damals hatten die Erwachsenen scheinbar jegliches Vertrauen in ihn verloren. Zumindest war er noch immer dabei, sich zu beweisen. Indem er immer und immer wieder auf die Kleineren aufpasste.
     An sich hatte er ja nichts dagegen, wenn nur eben nicht der Wehrmutstropfen gewesen wäre, dass er dafür heute nicht mit auf die Jagd durfte. Und dann war da auch noch die Sache, dass Jin unbedingt zum Strand hatte gehen wollen und Tanna sich kurzerhand einfach drangehängt hatte. Lu hatte versichert, auf Lenn und Lulu aufzupassen, aber es änderte trotzdem nichts daran, dass er nun ausgerechnet auf die Beiden aufpassen musste, die überhaupt nicht grün miteinander waren.
     Immerhin schien Jin schon mal keinen Ärger machen zu wollen. Zumindest rannte er geradewegs zum Wasser und packte seine Angel aus. Also plante er wenigstens keinen Streit mit Tanna. Jetzt musste er nur noch aufpassen, dass er sich nicht doch noch dazu entschloss, ins Wasser zu gehen und dabei zu ertrinken.


Aber da war ja auch noch Tanna. Seitdem sie in die Höhe geschossen war, hatte er noch nicht wirklich mit ihr zu tun gehabt. Wenn er ehrlich war, wollte er das aber eigentlich auch gar nicht. Klar, als angehender Stammesführer musste er mit allen im Stamm auskommen, aber er hatte einfach keine Ahnung, wie er mit einem Mädchen umgehen sollte. Es war ihm sowieso ein Rätsel, warum sein Vater, Sen und Tibit sich ausgesucht hatten, mit Frauen zusammenzuleben, anstatt unter sich zu bleiben. Alle Frauen waren in seinen Augen merkwürdig. Bis auf seine Mutter natürlich. Seine Mutter war großartig.
     Tanna jedoch war komisch. Sie mochte komische Sachen, die er langweilig fand, und sie machte komische Sachen. Wie mit sich selbst zu reden. Seine Mutter hatte ihm erzählt, dass ihr Vater Geister sah und Tanna das vielleicht auch konnte. Aber das änderte nichts daran, dass er das komisch fand. Alles, was er nicht sehen konnte, war komisch.
     Dennoch versuchte er, das Beste aus der ganzen Sache zu machen, als Tanna nun auf ihn zukam und komische Sachen zu erzählen begann: „Hey, wetten, dass ich dich beim Steinehüpfen schlagen kann?“


Im nächsten Moment war sie auf und davon. Tann war einen Moment lang zu überfordert, was er am besten tun sollte, dann entschied er sich jedoch dazu, ihr besser zu folgen. Jin schien momentan glücklicherweise keine Probleme zu machen. Aber bei Tanna war er sich da nicht so sicher. Also rief er dem anderen Jungen zu, dass er gleich wiederkomme, und machte sich dann daran, dem Mädchen zu folgen.


Er holte sie erst wieder ein, als sie vor einem Pferd Halt machen musste. Sie war schnell, das musste man ihr lassen.
     „Tanna, du kannst nicht einfach weglaufen!“, tadelte er sie und schob sich dabei besser zwischen sie und das riesige Tier. Man konnte ja nie wissen.
     Doch sie nahm das Ganze gelassen. „Ach, Jin wird sich schon nicht gleich im Meer ertränken“, sagte sie nur. 
     Er machte sich in diesem Moment mehr Sorgen um sie. 
     „Aber gut, dann tragen wir das eben hier aus. Und wenn du verlierst, habe ich einen Wunsch frei, einverstanden?“
     Tann war überhaupt nicht einverstanden, aber andererseits wollte er auch nicht kneifen. Es war nur selbstverständlich, dass er die Herausforderung annehmen und gewinnen würde! Also verschränkte er die Arme und nickte. „Aber danach gehen wir sofort zurück!“


Tanna machte sich umgehend daran, das Spielfeld herzurichten, aber es dauerte sie trotzdem noch über eine Stunde, bis es schließlich fertig war. Tann konnte derweil nichts anderes tun, als ihr dabei zuzusehen und immer wieder nervöse Blicke zu Jin zu werfen, der merkwürdig brav am Angeln war. Tanna jedenfalls ließ es nicht zu, dass er half. Ihr Spielfeld musste perfekt ihren Wünschen entsprechen und da wusste logischerweise nur sie selber, wie es letztendlich aussehen sollte.


Als sie dann endlich fertig war, durfte Tann erfahren, dass sie außergewöhnlich gut in dem Spiel war. Aber eben nicht gut genug. Kurz vorm Ziel kam sie schief auf ihrem linken Fuß auf und sie konnte nur gerade so noch verhindern, umzuknicken. Doch dafür landete sie mit dem Rechten auf dem Feld, auf dem ihr Stein lag. Sie hatte verloren.

 
Tann konnte sich gerade noch so ein Grinsen verkneifen. Als angehender Stammesführer musste er schließlich ein guter Gewinner sein. 
     Doch sein inneres Grinsen verging ihm kurz darauf wieder. Er schaffte es nicht einmal so weit wie Tanna. Und die ließ es sich wiederum nicht nehmen, ihre Schadenfreude darüber lauthals kundzutun. Unter ihrem gackernden Gelächter hatte er wirklich alle Mühe, sich seinen Ärger nicht anmerken zu lassen.


Es würde wohl auf eine Revanche hinauslaufen. Aber das sah Tanna anscheinend anders. „Ha! Du hast verloren! Also habe ich jetzt einen Wunsch frei!“, rief sie siegreich.
     „Du hast doch auch verloren!“, gab Tann zurück.
     „Ja, aber die Wette war, dass ich einen Wunsch frei habe, wenn du verlierst. Und du hast verloren!“ 
     Tanna grinste. Und Tann musste zugeben, dass sie recht hatte. Sie war wirklich ganz schön clever für ihr Alter. Sie hatte ihn vollkommen überrumpelt.
     „Und was ist dein Wunsch?“
     „Wenn wir beide groß sind, will ich deine Hauptfrau werden. Ich will, dass wir den Stamm zusammen anführen.“
     Tann dachte für einen Moment, sich verhört zu haben. Ihm war nicht einmal bekannt, dass es so etwas wie eine „Hauptfrau“ gab, noch wusste er, was das überhaupt sein sollte. „Hauptfrau?“
     „Na, ich werde dein erstes Kind bekommen!“ Das, das mutmaßlich nach Tann den Stamm anführen würde. Aber das verschwieg sie ihm lieber. Sie wollte ja nicht gierig erscheinen.
     Tann konnte darauf nur unschlüssig die Schultern heben. Er hatte keine Ahnung, ob es jetzt gut oder schlecht sein würde, das zu versprechen. Momentan interessierte ihn doch eigentlich nur, dass er irgendwann mal Stammesführer wurde und nicht, mit wem er sein erstes Kind hatte. Er hatte nicht mal eine Ahnung, wie Kinder überhaupt zustande kamen. Er wusste nur, dass es dazu die Frauen brauchte, weshalb sein Vater und die anderen Männer wahrscheinlich auch nur mit ihnen zusammenlebten.


„Von mir aus“, sagte er schließlich, mehr jedoch, um Tanna loszuwerden. Er wusste zwar nicht, ob es ein gutes oder schlechtes Versprechen war, aber er wusste, dass es ein Versprechen war. Er hatte die Wette verloren und er würde zu seinem Wort stehen.
     Tanna strahlte inzwischen mit der untergehenden Sonne um die Wette. „Gut, dann musst du mir jetzt einen Kuss geben! Damit besiegeln wir unser Versprechen.“
     Erneut dachte Tann für einen Moment, nicht richtig zu hören. Doch als Tanna sich dann vorbeugte und die Lippen spitzte, wusste er, dass sie es ernst meinte. Sie konnte das doch nicht wirklich wollen? Er konnte doch kein Mädchen küssen!
     Doch noch während er das dachte, wusste er auch, dass er es tun musste. Er konnte nicht sein Wort geben und dann einfach kneifen. Er war ja schließlich kein Feigling.

 
Also nahm er all seinen Mut zusammen, beugte sich nach vorn und sah zu, dass er das Ganze lieber schnell hinter sich brachte. Als er ihre Lippen traf, schloss er die Augen und verharrte dann stocksteif, während er krampfhaft versuchte, an etwas anderes zu denken und sich gleichzeitig fragte, wann sie eigentlich meinte, dass es jetzt genug war.  


Letztendlich war es dann doch er, der sich zuerst wieder zurückzog. Er hatte sich inzwischen zwar daran gewöhnt, und es war weniger schlimm, als zunächst angenommen, aber es war langsam Zeit, dass sie nach Hause gingen. Als er die Augen wieder aufschlug, begrüßte ihn gleich dasselbe siegreiche Grinsen, das sie schon bei seiner kläglichen Niederlage beim Steinehüpfen aufgesetzt hatte. Und als er es sah, begannen seine Wangen plötzlich zu brennen.
     „Oh, Mann! Erzähl das bloß niemandem!“, brachte er nur heraus. Er hatte sich noch nie in seinem Leben so geschämt. Hoffentlich hatte das niemand gesehen.
     Und Tanna tat nichts anderes, als dazustehen und zu grinsen. Sie hatte gewonnen.


Trotz dieses peinlichen Zwischenfalls wurden Tann und Tanna gute Freunde. Tann dachte danach jedenfalls nie mehr, dass Tanna merkwürdig sei. 

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Hier weiterlesen -> Kapitel 9

Tja, Tann kann zwar gut mit Anderen, aber manchmal muss selbst er sich geschlagen geben. Tanna ist da wohl etwas cleverer als er. Aber seine größte Stärke ist es glücklicherweise auch, sich nicht anmerken zu lassen, wenn er keine Ahnung hat ;)

Es ist manchmal echt schwierig, zeitaltergerecht zu schreiben. Solche Ausdrücke wie "Okay" oder "cool", "Oh Gott!" und dergleichen kann ich einfach nicht benutzen, weil sie eben zu modern sind. "Zeigen wo der Hammer hängt" hab ich auch ausgetauscht gegen "Zeigen wo der Faustkeil hängt". Auch wenn die Idee da von jemand anderem kam. Danke dafür ;)! Ich war nicht mal sicher, ob ich das mit dem Rammbock drinnen lassen sollte. Aber naja, manchmal muss die künstlerische Freiheit einfach... ähm... für alle möglichen Ausreden herhalten XD.

Ich hab übrigens vergessen, zu erwähnen, dass ich die Charakterbeschreibungen immer um einen Absatz ergänze, wenn einer meiner Sims aufwächst. Deshalb lohnt es sich, ab und an mal den letzten Absatz durchzulesen. Heute gibt es da also was zu Jin, Tanna und Lulu zu lesen.

In dem Sinne verabschiede ich mich! Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und hattet ein gutes Sylvester! Frohes Jahr euch allen und danke fürs Vorbeischauen!  

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