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Freitag, 26. Januar 2018

Kapitel 18 - Nebel




Der Nebel war so plötzlich aufgekommen, dass er vollkommen von ihm überfallen worden war, und nun war er gefangen. Er hatte bislang immer versucht, ihn zu meiden, aber letztendlich hatte er ihn eingeholt. Er wusste, wo er war. An diesem Ort, an dem es geschehen war. Er hatte niemals hierher zurückkehren wollen. Deshalb war er weit gelaufen. War geflohen. Aber nun war er wieder hier und als er das erkannte, war es ihm, als würde sein Herz zu einem festen Klumpen in seiner Brust gefrieren.


Er hatte Angst. Er wollte nicht wieder sehen, was ihn schon seit so langer Zeit heimsuchte. Immer und immer wieder. Obwohl er geflohen war. Jagten sie ihn. In seinen Träumen, in dem Nebel. Wenn er schlief, wenn er wach war.


Doch dann war da ein Licht. Ein winziges, kleines Licht der Hoffnung. Vielleicht, ja vielleicht, war es noch nicht zu spät. Vielleicht konnte er dieses Mal rechtzeitig kommen.
     Also begann er zu laufen. Das klamme Gras unter seinen Füßen gab keinen Laut von sich. Keine Bewegungen. Kein Wind. Nichts. Nur der harte Boden unter ihm, der ihn nicht tragen wollte. Er kam keinen Schritt weit.


Doch sie waren da. Er sah sie, obwohl die Stelle, an der sie standen, keinen Augenblick zuvor noch leer gewesen war. Aber die Hoffnung, die bei ihrem Anblick in ihm aufkeimte, machte jegliche Logik zunichte. Da waren nur noch sie. Und die Angst, sie nicht erreichen zu können.
      Er streckte die Hände nach ihnen aus, aber sie waren so weit weg. Entfernten sich. Er schrie. Wollte schreien, aber kein Laut verließ seine Kehle. Er hörte seine eigene Stimme dumpf in seinem Kopf widerhallen, doch für alle anderen blieb sie ungehört. Sie sollten nicht gehen. Sie sollten nicht fortgehen, wegbleiben vom Fluss. Sie sollten ihn nicht verlassen.
     Und dann war da nur noch Wasser. Tränen. Angst. Die Luft blieb aus. Ein letzter, verzweifelter Atemzug. Und Dunkelheit.


Als Sen die Augen aufschlug, geriet etwas Flüssiges in seine Augen. Es brannte wie Feuer, aber als er sich aufgerichtet und sich über die Augen gestrichen hatte, bemerkte er, dass es nur Schweiß gewesen war. Sein eigener Schweiß, der ihm noch immer von der Stirn rann und der ihn von einem Moment auf den Anderen eiskalt werden ließ. Nicht nur seine Stirn, sondern sein ganzer Körper war schweißgebadet.
     Er brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass er geträumt hatte. Er hatte diese Träume häufig und er war an sie gewöhnt. Manches Mal wusste er sogar, dass er träumte, wenn es geschah. Wenn er an den Ort zurückkehrte, von dem er einst geflohen war. Dennoch klopfte sein Herz jedes Mal noch lange Zeit danach und er musste alles aufbieten, um sich wieder zu beruhigen. Sich sagen, dass alles in Ordnung war. Dass es vorbei war.


Sen musste sich noch über eine halbe Stunde dazu zwingen, ins Feuer zu starren, um seine aufgebrachten Nerven zu beruhigen. Dann erst war ihm aufgefallen, dass nicht alle Schlafplätze mit ihren Schläfern besetzt waren. Es fehlten einige und zwei davon waren seine Söhne. Was ihm für einen Moment einen gehörigen Schrecken einjagte.
     Doch dann hatte er sich wieder beruhigt, hatte die schweißnassen Sachen gewechselt und war Richtung Ausgang gegangen. Er hatte schon gesehen, dass ein Licht von draußen hereinfiel. Und als er nun nachsehen konnte, fand er die fehlenden Schläfer. Es waren einige der Jüngeren, die um ein Lagerfeuer herumsaßen und momentan an Lus Lippen hingen, der eine seiner Geschichten preisgab. Selbst Jin war unter den Zuhörern. Sen hatte keine Ahnung, warum sein Jüngster sich mit seinem Bruder zerstritten hatte, aber wenn Lu Geschichten erzählte, hörte selbst er ihm jedes Mal gebannt zu.


Sen war noch nicht bemerkt worden, also blieb er an seinem Platz und lauschte. Doch wie sich herausstellte, war Lu gerade am Ende seiner Erzählung angelangt. Unterhaltungen brachen daraufhin unter dem Publikum aus, bis sich einer der Zuschauer aus der Menge schälte und neben den Erzähler trat.
     „Das soll eine Gruselgeschichte sein?“, fragte Wulfgar mit einem herausfordernden Grinsen. „Ich kenne Geschichten, dass euch so angst und bange wird, dass ihr euch die nächsten Tage nicht mehr trauen werdet, einzuschlafen!“, behauptete er.
     Lu ließ sich auf die Provokation nicht ein, Jin aber schon. „Pff! Nichts kann mich erschrecken! Lass hören!“
    Der alte Erzähler machte dem Neuen Platz und gesellte sich zum Publikum, während sich Wulfgar ein diebisches Grinsen nicht verkneifen konnte. Er hatte, im Gegensatz zu seinen Zuhörern, schon einiges erlebt und gesehen. Es würde nicht viel brauchen, um ihnen Angst einzujagen.


„Wisst ihr denn, warum die Alten den Nebelwald meiden?“
     „Weil sie Angst haben, sich zu verlaufen. So wie Lenn.“ Jin lachte und fing sich einen bösen Blick von seinem jüngeren Bruder.
     „Sie haben Angst, das stimmt. Und das zu Recht! Selbst meine Familie, die noch nicht lange in diesem Wald wohnt, weiß, dass es besser ist, den Nebel zu meiden. Denn im Nebel lauern die Geister. Er ist nichts anderes, als eine Geisterquelle!“
     „Geister?“ Jin schlug unbeeindruckt aus. „Geister sind langweilig! Unser alter Medizinmann konnte die sehen und daran ist überhaupt nichts Gruseliges!“
     Wulfgar grinste überlegen. Jin war ein Großmaul, aber er würde der Erste sein, der heute Nacht weinend zu seiner Mama rennen würde. 
     „Viele Menschen, die häufig vom Tod umgeben sind, entwickeln irgendwann die Gabe, Geister zu sehen. Und die meisten Geister sind auch harmlos. Aber dann gibt es da noch die, die ermordet worden und nun auf Rache aus sind. Und solch ein Rachegeist ist es, der im Nebelwald haust.“


Wie zu erwarten waren inzwischen alle verstummt. Selbst der vorlaute Jin. 
     „Es gibt verschiedene Geschichten darüber, wer dieser Rachegeist zu Lebzeiten war. Eine davon besagt, dass es einst einen großen Stamm nahe des Nebelwaldes gegeben habe. Der Häuptling dieses Stammes hatte zwei Töchter. Die Jüngere war sehr begabt und überaus beliebt, während die Ältere faul und eitel war. Deswegen sollte, entgegen der Tradition, die Jüngere den Stamm als nächster Hauptling anführen. Die Ältere wurde daraufhin missgünstig und lockte ihre Schwester in den Wald. An dem See, über dem sich heute der Nebel sammelt, machten sie schließlich Halt und die Ältere stieß die Jüngere ins Wasser, woraufhin sie ertrank.
     Seitdem sucht der Geist der jüngeren Schwester den See heim, um sich an ihrer Mörderin zu rächen. Doch die ältere Schwester war klug genug, mit ihrem Stamm fortzuziehen und so war ihr ein langes und glückliches Leben als Häuptling vergönnt, während ihre jüngere Schwester dazu verdammt war, auf ewig an den Ort ihres Todes gefesselt zu sein.
     Als die ältere Schwester schließlich starb, war der Jüngeren jegliche Rache für immer verwehrt, und die Verzweiflung und der Hass machten sie rasend. Seitdem hat sie viele andere ruhelose Geister angezogen. Der Nebel entstand und wer auch immer ihn betritt, läuft noch heute Gefahr, von den rachsüchtigen Geistern in die Irre geführt zu werden und den Tod zu finden.“


„Ich habe sie schon einmal gesehen, als ich mich in den Nebel getraut habe. Sie soll einst ein hübsches Mädchen mit langen, dunklen Haaren und bronzener Haut gewesen sein. Doch inzwischen ist sie totenblass, mit schleimiger Haut und verfilzten Haaren, die wie Seegras von ihrem Kopf hängen. Lange, blutige Krallen hat sie, anstatt Finger. Blutig von all den unschuldigen Reisenden, die sie bereits ums Leben gebracht hat. Und leuchtende Augen, die so durchdringend sind, als könnten sie bis in dein Innerstes blicken.“
     Nachdem er seine Erzählung mit dramatischen Gesten untermalt hatte, setzte Wulfgar nun zum Finale an. Er machte einen Schritt auf sein gebanntes Publikum zu und sagte mit großen Augen und in einem flüsternden Ton: „Doch man sieht ihre Augen nicht. Denn wann immer dieser ruhelose Rachegeist dich findet, dann ist es bereits zu spät. Dann schleicht er durch den Nebel an dich heran und du fühlst seine langen, spitzen Krallen, die dich beinahe sanft berühren. Einen Schauer über deinen Rücken jagen. Alles, bevor sie dann zustößt und –“


Er brüllte tief und wie erwartet zuckten sie alle zusammen. Nicht nur das. Rahn grinste nervös, Lenn stieß einen kleinen Schrei aus und Jin schien sich gerade an seiner eigenen Zunge verschluckt zu haben. Lulu hatte sogar angefangen zu weinen. Was er nicht so beabsichtigt hatte. Lu war der Einzige, der weniger beeindruckt schien, aber vielleicht war er auch nur gut darin zu verstecken, wenn er Angst hatte. Momentan war er jedenfalls damit beschäftigt, Lulu zu beruhigen.
     Wulfgar musste sich ein herzhaftes Lachen nach allen Kräften verkneifen. Vor allen Dingen, als er sah, dass nun Sen auf sie zukam, der seine ganze Geschichte aus dem Hintergrund mitgehört hatte. 
     Jin hatte sich inzwischen gefangen und versuchte, sich selber Mut zu machen, indem er behauptete: „Das hast du doch nur erfunden!“
     „Oh, nein, das habe ich nicht. Ich habe es selber bereits gesehen.“ Zumindest den Nebel. „Ihr solltet euch also lieber vom Nebelwald fernhalten!“


Inzwischen hatte Sen ihre Runde erreicht. „Egal, ob es nun stimmt oder nicht, mit einem hat er recht: Haltet euch von Nebel fern! Von Nebel und von Wasser!“, mahnte er. „Sie sind beide gefährlich und beides kann euch töten.“ Und an Wulfgar gerichtet fügte er hinzu: „Und dazu braucht es nicht einmal Geister.“
     Wulfgar antwortete mit einem unschuldigen Grinsen, sagte aber nichts mehr dazu. Er wollte ja nicht dafür verantwortlich sein, dass die Anderen an Schlafmangel eingingen.


Als sich ihre Runde später wieder aufgelöst hatte, war es Jin, der Lenn verschwörerisch grinsend zu sich winkte, als alle anderen bereits im Haus verschwunden waren. „Hey, Lenn, was hältst du davon, wenn wir mal nachsehen gehen, ob an Wulfgars Gesichte was dran ist?“
     Lenn schien jedoch weniger von der Idee begeistert, nachts durch einen potentiellen Geisterwald zu rennen. Vor allen Dingen, da er sich schon bei klaren Sichtverhältnissen gern mal verlief. 
     „Ich glaube nicht, dass das so eine gute Idee ist!“, lehnte er deshalb ab.
     „Du bist manchmal so ein Langweiler!“ 
     Jin verdrehte die Augen. Immerhin war Lenn aber auch der Einzige, der mit ihm überhaupt solch waghalsige Unternehmungen riskieren würde. Tann und Rahn waren viel zu umsichtig und zu „erwachsen“ für solche „Kindereien“, wie sie es nannten. Und alle anderen (also Lu) hatten einfach nicht den Mumm dazu. Außerdem wusste er, wie er Lenn überreden konnte.
     Also grinste er herausfordernd und fragte: „Oder hast du etwa Angst?“
     Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Lenn blickte sofort beleidigt drein. „Natürlich nicht! Aber wir sollten nicht unbedingt heute gehen, wenn dein Vater wach ist.“ Er deutete hinter sich zu den Pinkelbüschen, zu denen Sen unlängst verschwunden war.
      „Na gut, dann gehen wir also morgen. Abgemacht?“
      Lenn zögerte einen Moment, doch dann schlug er ein. „Abgemacht!“


Als Lenn weg war, konnte sich Jin ein siegreiches Grinsen nicht verkneifen. Er musste unwillkürlich daran denken, wie er Greta, die seit dem Herbst Dauergast bei ihnen war, vor einiger Zeit bei den beiden Säuglingen gesehen hatte. Sie hatte einen der beiden Jungen, die er nie auseinanderhalten konnte, in den Armen gehalten. Da war er zu ihr gegangen und hatte sie gefragt, ob sie denn auch bald eines haben wollte.
     Greta hatte daraufhin nur geantwortet: „Ja, aber nicht mit dir!“ Und war dann gegangen.
     Seitdem sie wieder da war, war sie überaus abweisend ihm gegenüber, wenn man es milde ausdrückte. Doch wenn er des Nachts in den Nebelwald ging und bewies, dass er vor nichts Angst hatte, würde sie ihre Meinung gewiss ändern. Da war er sich zumindest ziemlich sicher.


Sen hatte am nächsten Morgen ganz heftig unter Schlafmangel zu leiden. Er hatte die letzte Nacht kein Auge mehr zubekommen und war dementsprechend müde. Da er aber versprochen hatte, Barla und die Kleinen auf ihrem Ausflug in die Wildnis zu begleiten, befand er sich nun nicht etwa an seinem warmen Schlafplatz, sondern mitten in der Botanik. An sich hatte er nichts dagegen, mal wieder vor die Tür und weg von der Feldarbeit zu kommen. In letzter Zeit hatte er sich regelrecht danach gesehnt, mal wieder raus auf die Jagd zu gehen. Aber momentan wünschte er sich einfach nur ein Nickerchen.
     Wenigstens musste er nicht allein auf Barla und die beiden Jungen aufpassen. Enn war ebenfalls mitgekommen, um auf Sohn Aan und Enkel Elrik aufzupassen. Seitdem die beiden geboren worden waren, war er der Stolz und das Glück in Person. Vor allen Dingen, nachdem Luma die Schwangerschaft und die Geburt nicht nur gut überstanden hatte, sondern es ihr auch besser als je zuvor zu gehen schien. Seitdem wünschte sich auch Sen, dass seine Söhne ihn endlich mal zum Großvater machen würden. Aber bislang sah es nicht danach aus. Lu zeigte kein Interesse daran und Jin war ein hoffnungsloser Fall, was Frauen anging.
     Derweil war Enn Vater und Großvater zugleich geworden und sein Nachwuchs war wirklich außerordentlich. Elrik war ein neugieriges Energiebündel und Aan konnte schon laufen und sprechen, bevor der andere Junge überhaupt damit angefangen hatte. Und das, obwohl sie beide keine Woche trennte. Auch momentan lauschte Aan aufmerksam Barlas Erklärungen über die hiesige Flora.


Und Elrik… Als Sen nach dem anderen Jungen sehen wollte, konnte er den Kleinen nirgends finden. Sofort durchlief es ihn dabei eiskalt. Bislang hatte Elrik eigentlich unter seiner Obhut gestanden. Wenn er jetzt verschwunden wäre, würde man ihm das anlasten. Und den Erstgeborenen des Stammesführers zu verlieren war nun wirklich keine Lappalie.
     Also sah er zu, dass seine Begleiter nicht mitbekamen, wie er sich umsah. Und dann ging, um den verschwundenen Jungen zu suchen. Sie waren unweit eines Ortes, den Sen eigentlich immer gemieden hatte, und er hatte da so eine schreckliche Vorahnung. Elrik war nämlich schon immer von Nebel und Wasser fasziniert gewesen.


Sen war noch nie zum Nebelsee gegangen. Wie im Nebelwald, hing über dem ganzen Ort dauerhaft ein schrecklicher Nebel, der ihm eine ungeheure Furcht einflößte.
     „Wir haben dich gefunden!“ Das Flüstern seiner Träume erreichte ihn, kaum, dass er den nebulösen Ort betreten hatte und es jagte ihm eine Heidenangst ein. Es waren nur Träume. Er bildete sich das nur ein, sagte er sich immer wieder. 
     Er hoffte nur inständig, dass Elrik dem Wasser ferngeblieben war.   


Doch seine schlimmsten Befürchtungen wurden Realität, als er Elrik mitten im See wiederfand. Zu seiner unendlichen Erleichterung aber war der Junge quicklebendig. Er saß auf einer winzigen Insel, die vollkommen vom Wasser umschlossen war. Sen hatte keine Ahnung, ob sie schon immer dagewesen war, aber was auch viel spannender war, war die Frage, wie um Himmels willen Elrik es geschafft hatte, dorthin zu gelangen. Und wie er es schaffen sollte, ihn von dort zu retten.


Denn da war etwas zwischen ihm und dem Jungen, das ihm noch mehr Angst machte, als Nebel. Wasser. Wasser war gut und in Ordnung, wenn er es trinken musste oder er Fische daraus hervorzog. Aber es war überhaupt nicht in Ordnung, wenn er es betreten musste. Es hatte ihn schon lange Zeit gebraucht, bis er sich überhaupt wieder dazu hatte überwinden zu können, in niedrigen Bächen zu baden. Vor allen Dingen die gerümpften Nasen seiner Mitmenschen hatten ihn damals überhaupt dazu gebracht.
     Sen hasste das Wasser. Seit diesem einen Tag, an dem er sein altes Leben und seine alte Heimat aufgegeben hatte, hasste er es. Doch jetzt, nach all den Jahren, wurde er wieder damit konfrontiert. Und er musste sich überwinden. Er musste es tun. Musste ins Wasser, um Elrik zu retten. Egal, wie gefährlich das auch für ihn werden würde. Noch einmal würde er niemanden an das Wasser verlieren.
     Doch sein Mut verflog in dem Moment, als das kalte Nass seine Beine umschloss und immer höher stieg. Mit einem Mal war da wieder die alte Angst, die in ihm hochkam.


Die alte Angst, die Bilder von leblosen Körpern, die im Wasser trieben. Er streckte die Hand nach dem Kind aus, das nicht länger Elrik war, und erstarrte. Tränen drohten, seine Sicht zu vernebeln. Er konnte es nicht. Er war gefangen. Ein Gefangener der Angst und ein Gefangener der Vergangenheit. Er war gelähmt.


Erst Enns erschrockener Ruf holte ihn aus seiner Starre ins Diesseits zurück. Im nächsten Moment fiel etwas Schneeweises neben ihn ins Wasser und spritzte ihn nass. Wie gestochen fuhr er daraufhin zurück, stolperte beinahe über seine eigenen Füße und fiel dann auf den harten Erdboden.


Als er den Kopf wieder hob, war er glücklicherweise aber nicht unter Wasser. Er hatte es an Land geschafft. 
     Im Wasser derweil konnte er Wölfin Schnee erkennen, die momentan mit einem vergnügten Elrik auf dem Rücken zurück ans Land paddelte.


Dort wurde das Kleinkind von seinem überglücklichen Großvater in Empfang genommen. Er nahm den Jungen hoch und drückte ihn erleichtert an sich. „Dir ist nichts passiert! Dem Himmel sei Dank!“ Dann setzte er einen ernsten Gesichtsausdruck auf. „Aber du sollst doch nicht weglaufen, Elrik!“, tadelte er.
     Doch Barla ging dazwischen. „Er ist nicht weggelaufen. Es war der Geist des Wassers, der ihn zu sich geholt hat.“ Dann sah sie liebevoll auf den Jungen herab. „Der Geist des Wassers hat ihn gesegnet. Das Wasser wird in seinem Leben noch eine große Rolle spielen. Sei es zum Guten oder zum Schlechten.“


Sen war zutiefst bestürzt darüber, dass er Elrik nicht hatte retten können. Nicht einmal seine Begegnung mit dem Wasser und seiner Vergangenheit hatte das überschatten können. Er hatte ein Stammesmitglied im Stich gelassen, weil er von einer unsinnigen und alten Angst überwältigt worden war. Sicher, Wasser war gefährlich, aber der See war nicht tief genug gewesen, als dass er darin hätte versinken können. Und das beschämte ihn zutiefst.
     Diesmal war alles gut gegangen, aber was hätte er gemacht, wenn er allein gewesen wäre? Schon allein der Gedanke daran, einen seiner Jungs an das Wasser zu verlieren, ließ ihm schlecht werden. Er wollte nie wieder ein Kind verlieren.
     Und noch schlechter wurde ihm, als er zurück zum Hof kam und begann, sich nach seinen eigenen Kindern umzusehen. Etwas stimmte nicht. Das konnte er spüren. Lu war da; er war bei der Feldarbeit. Aber wo war Jin?   

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Ich würde hier jetzt einfach nur gern "Fortsetzung folgt" schreiben, aber es ist so viel Erwähnenswertes passiert. Okay, es waren ungefähr nur 3 Tage im Spiel, aber naja... Interessanterweise ist mir in dem Kontext übrigens auch aufgefallen, dass 3 Tage im Spiel in der Wirklichkeit beinahe ein Jahr wären. Zumindest, wenn man bedenkt, dass in diesem Zeitraum die Kinder geboren worden und zu Kleinkindern aufwuchsen. In dem Sinne wären Wulfgar und Greta schon beinahe Stammesmitglieder, so lange, wie die zu Gast wären ^^'. Naja, nehmen wir also einfach an, dass es Simszeit ist, nach der das hier alles geht.

So, was ich noch sagen wollte: In dem einen Bild, in dem Sen im See steht, ist natürlich gerade keiner am ertrinken, auch wenn man da jemanden sieht. Er bildet sich das nur ein.

Die nächste Generation ist also geboren (irgendwie krieg ich immer nur Jungs... ich beeinflusse es natürlich nicht!) und Luma hat die Sache gut verkraftet. Erinnert sich noch wer dran, dass ich mal schrieb, dass der Luma-Sim den Lebenswunsch hat, 5 Kinder zu Teenies aufzuziehen? Ja, so kurz vorm Alter fiel mir dann auf, dass sie erst 4 hatte ^^' *hust*. Nur wegen ihrer Schwangerschaft ist Luma jetzt noch keine Seniorin, obwohl sie gleich alt mit Tara gestartet hat und die jetzt eine ist.
Übrigens: Es soll wirklich Fälle gegeben haben, in denen eine kranke Mutter durch eine Schwangerschaft geheilt wurde (von einer kranken Leber, die durch die Stammzellen des ungeborenen Sohnes sogar noch Jahre nach der Geburt geheilt wurde, hab ich sogar schon gelesen). Luma scheint das wohl auch passiert zu sein. 

So, wen es interessiert: Eine Menge Outtakes dieses Mal (weshalb die eine Hälfte jetzt und die Andere nächstes Kapitel kommt) und wer mal Senioren-Tara und Teenie-Lulu und die beiden Jungs richtig sehen will -> siehe Charaktere. Wuff und Schnee haben auch Nachwuchs bekommen übrigens. Und Wulfgar hab ich dort auch mal gesondert bei den Blums hinzugefügt.

Nächstes Mal erfahren wir dann, wo Jin (und Lenn) nun abgeblieben sind. Ich versuche es am Sonntag reinzustellen, aber weiß nicht, ob ichs schaffe. Normalerweise hab ich ja schon alle Bilder, aber diese beiden Kapitel hab ich ganz neu gemacht und ich bin gerade etwas abgelenkt ^^'. Bis dahin verabschiede ich mich und...

Fortsetzung folgt...

PS: Der Geist, der sich im Hintergrund auf einem der Bilder eingeschlichen hat (das mit Sen und Wulfgar), ist Tibit.



Er hat sich passenderweise dazu entschlossen, mal vorbeizuschauen. Keine Ahnung, was er da gemacht hat. Stand jedenfalls die ganze Zeit tatenlos im Hintergrund herum. Das ist erst das zweite Mal, dass ich ihn gesehen habe. Ob er wusste, dass es um Geister in diesem Kapitel geht?

Kommentare:

  1. Dafür das Wulfgar so ein Haudruff ist & bei der Intelligenz eher dünn besiedelt schien, findet er doch gute Worte um wohl die anderen mit seiner Geschichte zu fesseln. Ich hätte mir da in der Tat nur gewünscht das in dem Moment nicht er brüllt oder Sen daraufhin kommt, sondern Tibit vorbeigeistert & allen aus Jux einen Schrecken einjagt xD !

    Verstehe verstehe...nach Dana Elsa gehts mit Disney weiter & wir haben hier ein vom Wassergeist gesegnetes Kind Vaiana..., ääh Elrik ;P .
    Ich für meinen Teil freue mich das Sen mal wieder mehr vorkommt. Er ist mit den Hunden, Rahn & (jüngst) Wulfgar einer meiner Lieblingsleutz dort. =)

    Apropos Hunde, dieses mal mehr im Vordergrund, fanden die Pferde im Hintergrund ihre tragende statisten Rolle ^^ .

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    1. Das mit Tibit wäre ja auch eine coole Idee gewesen XD!

      An Vaiana habe ich jetzt überhaupt nicht gedacht, als ich die Sache mit Elrik geschrieben habe. Hm... vielleicht sollte ich noch einen Halbgott einbauen, der irgendwelche Herzen stiehlt oder so ;).

      Auch hier mal schön zu erfahren, wen meine Leser so mögen. Aber auf die Hunde wäre ich bei dir ja jetzt überhaupt nicht gekommen XD.

      Oh, Mann, die Pferde haben irgendwann zu dem Zeitpunkt angefangen, ihren Stammplatz am Strand aufzugeben und zu meinem Wohngrundstück zu verlegen. Ich hatte teilweise immer wieder gleichzeitig 3 Wildpferde auf dem Grundstück rumgurken... Also freu dich schon mal auf noch mehr Statistenpferde. Hab auch noch eine schöne Szene in ein paar Kapiteln mit denen ;).

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