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Samstag, 3. Februar 2018

Kapitel 21 - Charmeoffensive




Die Sonne war bereits am Untergehen, als Lu mit Anhang Wulfgar zum Haus zurückkehrte. Lulu war schon vor einigen Stunden gegangen und Lu hatte gehofft, dass es auch ihrem nerviger Gast irgendwann kalt genug wurde, dass er nach Hause gehen und ihn endlich in Frieden lassen würde. 
     Leider hatte er ihm den Gefallen aber nicht getan. Obwohl er deutlich am frieren gewesen war. Aber so, wie er es einschätzte, hätten Wulfgar die Zehen abfrieren können und er wäre dennoch zu stur gewesen, heimzugehen. Und dabei hatte Lu nur ein wenig Zeit für sich allein haben wollen.


Während er sich noch über die beharrliche Nervensäge an seiner Seite ärgerte, betraten sie das Haus. Das sterbende Sonnenlicht des Tages wurde sofort geschluckt und Lu brauchte einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, die im Inneren herrschte. Und dann erst konnte er sehen, welche zwei sich da gerade direkt vor ihm barsch angingen. Es waren Jin und Dana. 
     Jin hatte seinen Finger ausgestreckt und ihn anklagend auf die sichtlich empörte Dana gerichtet. „Das ist alles deine Schuld!“, zischte er.
     Was Dana sich aber natürlich nicht gefallen ließ. Sie schoss zurück: „Was? Ich glaube, ich höre ja wohl nicht richtig! Ich kann ganz sicher nichts für deine blöde Sturheit!“


Jin brodelte. Die Wut hatte ihn inzwischen jeglicher Worte beraubt, das konnte Lu sehen. Und er wusste, dass es Ärger bedeutete. 
     Also schritt er ein, bevor Jin ausbrechen konnte. „Was ist denn bei euch los?“
     Sofort trafen ihn zwei böse dreinblickende Augenpaare und er zuckte automatisch darunter zusammen, als hätte er etwas verbrochen. Nicht, dass Jin nicht sowieso im Folgenden auf ihn losging. Vielleicht hätte er sich lieber raushalten sollen. 
     „Du!“ Jetzt landete der Finger auf ihm. „Das ist alles deine Schuld!“
     Lu war normalerweise nicht so leicht zu provozieren, aber bei Jin war das anders. Er hatte ihn in der Vergangenheit schon genug geärgert. 
     „Was ist denn jetzt schon wieder dein Problem?“

           
„DAS ist mein Problem!“ 
     Der Finger wanderte Richtung Feuer und da wurde auch Lu erstmals auf die kleine Versammlung im hinteren Teil des Hauses aufmerksam.


Als er näher ranging, konnte er Rahn, Greta und Tanna erkennen. Und ihm fiel sofort auf, was Jin wahrscheinlich so gegen den Strich ging. Greta nämlich hatte ein verträumtes Grinsen aufgesetzt und himmelte Rahn geradezu an.
     „Du hast dieses Monster da geschaffen“, hörte er Jin sagen. „Er ist zu dir gegangen, um dich um Rat zu fragen und seitdem meint er, sich an unsere Frauen ranmachen zu müssen.“


Dann ging er wieder auf Dana los. „Hättest du den nicht einfach mal ranlassen können? Wenn du dich nicht immer so zieren würdest, hätten wir dieses Problem jetzt nicht!
     „Hey, ich kann nichts dafür, dass du so bescheuert bist, das einzige Mädchen zu vergraulen, das bereit ist, sich mit dir einzulassen! Du weißt genau, dass Greta dich sofort nehmen würde, wenn du nur mit ihr gehen würdest! Also unterlass es gefälligst, mir die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen, nur weil du so saublöd bist!“


Jetzt war Lu wieder dran. „Und dir habe ich also diesen ganzen neuen Mist mit Rahn zu verdanken, ja? Ich habe mich doch oft genug bei dir - bei jedem - beschwert, dass ich nichts von Rahn will! Das wusstest du doch! Warum musstest du ihm nur wieder Hoffnungen machen? Ich dachte, wir wären Freunde!“
     Bevor Lu etwas dazu sagen konnte, war sie wütend an ihnen vorbeigerauscht und hatte das Haus verlassen. Doch die Jungs sahen ihr nur einen Moment nach, dann waren sie wieder bei Rahn.


„Er macht das echt gut“, stellte Lu nach einer Weile fest, in der er seinem Bruder zugesehen hatte.
     Er hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Rahn verstand es inzwischen ziemlich gut, den Frauen Komplimente zu machen. Während man sich um Tanna jedoch, die dieselbe Mutter wie Rahn hatte, und die wahrscheinlich nur dabei war, um sich ein paar Komplimente anzuhören, die Tann wahrscheinlich nicht mal kannte, keine Sorgen machen musste, sah das bei Greta schon ganz anders aus. Das bemerkte sogar der sonst so begriffsstutzige Jin. Und es gefiel ihm ganz und gar nicht. 
     „Dann nimm du ihn doch, wenn du ihn so toll findest!“, knurrte er bedrohlich. „Nur sorg dafür, dass er sich von den Frauen fernhält! Wenn er so doof ist, Dana haben zu wollen, dann bitte, aber die anderen sind für ihn tabu!“


„Du meinst wohl, Greta ist für ihn tabu, was?“, mischte sich nun auch Wulfgar erstmals ins Gespräch ein und er brachte Jin damit fast aus der Fassung. 


Doch er fing sich schnell wieder und wandte sich erneut an den Verursacher des Ganzen. „Sorg einfach dafür, dass er damit aufhört!“, forderte er von Lu.
     „Meinst du nicht, dass es an dir selber ist, zu handeln?“
     Jin verstummte daraufhin und schien tatsächlich zu überlegen. Es war so ein ungewohntes Bild, wenn er das tat. 
     „Weißt du was, einmal nur hast du recht. Ich werde Rahn zeigen, wo der Hammer hängt.“


Bevor Lu ihn zurückhalten konnte, war er losgestürmt.
     „Oh, Mann! Wieso nur habe ich das Gefühl dass er überhaupt nichts verstanden hat?“
     Wulfgar lachte. „Ach, das wird schon schiefgehen.“
     „Ja, das befürchte ich auch…“


Kurz darauf wurden sie Zeuge von Jins grandioser Art, Probleme zu lösen. Er machte mit einem brachialen Laut auf sich aufmerksam und drängte sich dann zwischen Greta und Rahn. Sein anklagender Finger zeigte jetzt auf seinen Konkurrenten. Wenn der nicht so ruhig geblieben wäre, wäre die Sache sicherlich eskaliert und die beiden Männer hätten sich in einem Ringkampf wiedergefunden. Das war auch eher die Art, auf die sie beide für gewöhnlich Konflikte lösten.
     „Lass gefälligst die Pfoten von meiner Frau!“ Dann hatte er besagte Frau am Arm gepackt, herumgerissen und sie hinter sich her aus dem Haus gezogen.


Greta war viel zu überrumpelt, um sich großartig zu wehren. Doch als sie die Kälte des Schnees an ihren Füßen spürte, kam sie wieder zu Sinnen. Aufgebracht riss sie sich von Jin los.
     „Was sollte das gerade eben?“
     „Das sollte ich dich fragen! Warum machst du einem anderen schöne Augen? Du gehörst mir!“
     Greta öffnete und schloss ihren Mund wortlos. Das konnte ja wohl nicht wahr sein! Zuerst log er sie an, ließ sie fallen und nun spielte er sich auf. 
     „Ich glaube du spinnst ja wohl! Ich gehöre dir ganz sicher nicht!“
     „Ach, komm schon! Ich hab ja bislang mitgespielt, aber langsam wird‘s albern! Du weißt, dass du mir gehörst!“
     „Du hattest die Chance dazu, aber du hast es versaut! Und jetzt ist es zu spät! Also hör gefälligst auf, dich aufzuführen, als würde ich dir gehören!“


Sie hatte keine Lust mehr, dieses Spiel zu spielen. Jin wusste, wie es lief. Entweder er würde mit ihr kommen, wenn sie im Frühjahr wieder nach Haus gehen würde oder nicht. Und bis er sich nicht entschieden hatte, brauchte er sich nicht aufzuführen, als hätte er irgendwelche Ansprüche ihr gegenüber. Und das sollte er auch ruhig wissen. Also ließ sie ihn stehen.


Doch da hatte sie die Rechnung ohne Jin gemacht. Der brauchte nicht lange, um sie einzuholen und sich ihr in den Weg zu stellen. Im nächsten Moment hatte er ihre Arme fest im Griff und Greta konnte nichts dagegen tun, dass sie heftig erschrak.


Das Nächste, das sie wusste, war, dass sie ausholte und ihm eine schallende Ohrfeige gab. Sein Kopf kippte zur Seite und für einen Moment bewegte er sich nicht mehr. Erneut war Greta darüber erschrocken, was sie getan hatte, aber diesmal blieb sie stur. Jin sollte bloß nicht glauben, dass er sich alles erlauben konnte!


„Glaubst du, dass du mich zu etwas zwingen kannst? Wenn du glaubst, ich kann mich nicht wehren, dann hast du dich geschnitten!“
      Woraufhin endlich auch das Leben in Jin zurückkehrte. Er machte ein empörtes Gesicht. „Denkst du wirklich, dass ich dich zu was zwingen würde? Ich würde niemals einer Frau was antun! Das ist erbärmlich!“
     „Dir traue ich alles zu!“


Plötzlich sah es so aus, als sei er von ihren Worten wirklich getroffen. Das konnte doch nicht sein! Jin berührte doch sonst nichts! Er ließ sich nie von irgendetwas aus der Bahn bringen und er sah auch nie ein, wenn er etwas falsch gemacht hatte.
     „Also, was sollte das gerade eben?“ Doch er blieb stumm. „Ich rede mit dir, also antworte gefälligst! Was sollte das alles gerade eben?“


 War er tatsächlich niedergeschlagen? Es war unheimlich, ihn so zu sehen. 
     Und dann sagte er plötzlich: „Ich weiß nicht, was ich machen soll, Greta. Ich brauch dich doch!“


Greta konnte nicht glauben, was sie da hörte. Für einen Moment war sie sich sicher zu träumen. Es war schließlich das, was sie immer von ihm hatte hören wollen.
     Bevor sie auch nur weiter darüber nachdenken konnte, war sie ihm um den Hals gefallen. Jin war zunächst zu überrascht von ihrer Reaktion, dann jedoch spürte sie seine noch immer warmen Hände auf ihrem auskühlenden Rücken. Natürlich blieben sie da aber nicht lange, sondern rutschten in tiefere Regionen ab. Doch Greta war momentan viel zu glücklich, um sich darüber zu ärgern. 
     Kurz darauf bekam Jin dann erneut von ihr, was er wollte.


Nachdem sie ihr Stelldichein beendet hatten, saßen sie noch eine Weile zusammen an dem Lagerfeuer, das Jin notdürftig im nahegelegenen Schuppen entfacht hatte. Greta lag in seinen Armen und genoss seine Nähe, während sie mit sich und der Welt so zufrieden war, wie schon lange nicht mehr. Sie hatte eigentlich nichts gewonnen, nach wie vor war offen, ob er gedachte, mit ihr zu kommen, aber momentan wollte sie einfach nicht daran denken.
     Jin jedoch sah das anscheinend anders. Ausgerechnet er! „Weißt du, du kannst ja auch einfach hierbleiben“, begann er.


Gretas Entspannung war augenblicklich dahin. Dennoch ließ sie sich noch einen Moment länger Zeit, bevor sie sich von Jin abstieß und zum Feuer rüberging, um Holz nachzulegen.
     „Das geht nicht, Jin. Ich kann meine Eltern nicht einfach im Stich lassen.“
     „Deine Geschwister sind ja auch noch da.“
     „Nein, das… meine Geschwister sind noch viel zu klein und meine Eltern werden bald mehr Unterstützung auf dem Hof brauchen.“
     „Und dein Bruder?“
     „Mein Bruder…“ Sie zögerte und brach dann ab, bevor sie erneut ansetzte. „Nein, ich muss da bleiben. Er wird nicht mehr nach Hause zurückkehren.“


Das hörte Jin zum ersten Mal. „Und warum darf er weggehen und du nicht?“ Doch Greta schwieg nur. „Das ist doch unfair. Du solltest einfach hierbleiben und deinen Bruder zurückschicken. Er hat eh niemanden hier. Aber du hast mich.“

  
Jetzt wurde Greta plötzlich sauer und Jin hatte keine Ahnung, warum. „So einfach ist das nicht, Jin. Er hat einen Grund dafür.“
     „Was für ein Grund?“


Greta zögerte, aber dann sagte sie schließlich: „In Ordnung, ich denke, dass du es verdienst, eine Antwort zu erhalten, warum ich nicht hier bei dir bleiben kann.“ Sie machte eine Pause und sah ihn eindringlich an. „Aber was ich dir jetzt erzähle, muss unter uns bleiben, verstanden?“
     Und als Jin nickte, begann sie zu erzählen.
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Jin wäre in seinem Aufzug draußen schon längst erfroren... Aber irgendwie hat es nicht gepasst, ihm was anderes, als seine Schlappen und seinen Fellwickel anzuziehen. Da ist er viel zu eigen und zu stur für...

Tja, bleibt also die Frage, was jetzt eigentlich mit Wulfgar los ist. Warum will er nicht nach Hause zurückkehren und wo gedenkt er eigentlich zu bleiben?
Vielleicht wird das nächstes Kapitel ja schon enthüllt. Zumindest ist nächstes Mal mal wieder Zeit für einen Auftritt von Gretas Bruder.

Bis dahin, danke fürs Vorbeischaue und ich verabschiede mich

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