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Mittwoch, 5. September 2018

Kapitel 63 - Die Dinge, die wir tun, und deren Auswirkungen III



Lu hatte schon jahrelang versucht, den Stammesführer dazu zu bewegen, mehr Feste zu Ehren der Götter auszurichten. Aber sowohl bei Tann, als auch bei Elrik war er damit bislang auf taube Ohren gestoßen. Sie fanden, dass der Stamm den Göttern schon genug huldige und dass Feste schlichtweg zu kostspielig waren. Aber dann war Anja aufgetaucht und der Schamane hatte in ihr eine unerwartete Verbündete gefunden. Seitdem hatten die beiden immer wieder geplant, Elrik mit ihren Ideen zu überfallen. Und wie konnte der Stammesführer seiner Gefährtin diese kleine Freude jetzt noch ausschlagen, wo sie es doch so schwer hatte? Die Schwangerschaft ging zwar voran, aber nach wie vor hatte sie Schmerzen und blutete oft, weshalb sie beinahe andauernd das Bett hüten musste.
     So war es gekommen, dass der Uruk-Stamm an einem sonnigen Wintertag schließlich ein kleines Jahresendfest gab. Um die ohnehin knappen Vorräte zu schonen, hatte man aber darauf verzichtet, die anderen Stämme und Familien zu informieren. Lediglich die Nachbarn hatte man notgedrungen einladen müssen. Greta und Griswold waren der Feier zwar ferngeblieben, aber dafür war ihr Ältester Cain erschienen, der die Runde gerade mit einer seiner Geschichten unterhielt, die Wirt, Anja und Akara schon in- und auswendig kannten, alle anderen Zuhörer aber in ihren Bann zog. Und Jin hatte es sogar geschafft, Greta seinen Jungen Wotan aus den Rippen zu leiern. Entgegen ihrer Ankündigung, sah Greta es überhaupt nicht gern, wenn Vater und Sohn miteinander zu tun hatten. Sie hatte wohl Angst, dass „Wotan sich bei Jins Dummheit anstecke“, hatte sie gesagt.
  
   
Die Stimmung war deshalb ausgelassen. Nur bei Diana nicht. Der Schmerz von Rahns Abweisung saß noch immer tief, aber sie hatte inzwischen auch wieder begonnen, nach vorne zu sehen. Vor allen Dingen durch Tanjas Ratschlag. Sie hatte ihn zunächst für dumm befunden, hatte aber nicht aufhören können, daran zu denken. Sie hatte sich schließlich vorgenommen, Rahn für sich zu erobern, aber sie hatte keine Ahnung, wie sie das anstellen sollte. Deshalb war ihr Tanjas Vorschlag irgendwann schließlich gar nicht mehr so dumm erschienen, und jetzt fragte sie sich nur noch, wie sie ihn wohl dazu bekommen konnte, dass er mit ihr schlief.
     Schon allein mit ihm zu reden stellte sich als überaus schwierig heraus. Schwieriger noch, als es vorher gewesen war, bevor sie sich ihm offenbart hatte. Sie hatte plötzlich solch eine Angst. Als würde sie vom Blitz getroffen werden und mindestens im Boden versinken, wenn er sie auch nur ansah. Doch es half alles nichts. Wenn sie ihn für sich erobern wollte, musste sie den ersten Schritt wagen.


Also nahm sie allen Mut zusammen, als sie sah, dass Tanna, die bislang mit Rahn geredet hatte, ihn allein zurückließ, und stolperte vorwärts, als hätte jemand Unsichtbares sie geschubst. Bevor sie sich versah, stand sie plötzlich wieder vor ihm, und sie fühlte sich, als hätte sie ihre Zunge verschluckt. Vor allen Dingen, als seine grünen Augen sie unvorbereitet trafen. Sie wollte gerade nichts lieber, als davonzulaufen.
     Sie stotterte ein paarmal wie eine Blöde, während Rahn versuchte, beruhigend zu lächeln, bis sie es endlich schaffte, einen zusammenhängenden Satz herauszubringen. „Also, Rahn, ich wollte dir nur sagen, dass ich es jetzt eingesehen habe, was du gesagt hast, und ich jetzt nicht mehr versuchen werde, mich dir zu nähern.“
     ‚Warte, was?‘
     Sie wollte sich korrigieren, sagte aber stattdessen: „Aber ich würde mich freuen, wenn wir Freunde werden würden.“
      ‚Freunde? Was habe ich da gerade nur gesagt? Ich will nur weg hier! Ganz schnell weg!‘
     Sie offenbarte ein schiefes Lächeln, das zu viele Zähne zeigte, aber wenigstens bei Rahn machte sich jetzt ein ehrliches Lächeln breit.
      „Das würde mich auch freuen Diana“, hörte sie ihn sagen, und seine wunderbare Stimme ging ihr durch Mark und Bein. „Ich hatte schon Sorge, dass ich ein bisschen barsch zu dir gewesen war.“
     Diana wollte etwas sagen, doch die Worte blieben ihr bei seinem Anblick auf halbem Wege im Hals stecken, und sie musste unwillkürlich grinsen. Bevor sie es verhindern konnte, hatte sie den Kopf geschüttelt.


Obwohl sie nur noch hatte weglaufen wollen, war Diana geblieben. Kurz darauf war Sen aufgetaucht und hatte ihr ohnehin brachliegendes Gespräch endgültig zum Erliegen gebracht. Diana wusste, für ihren Geschmack, zwar immer noch viel zu wenig über Rahn, aber sie wusste, dass er und Sen schon immer eine gute Bindung zueinander gehabt hatten, die den Namen Tara getragen hatte. Die Liebe zu ihr hatte beide verbunden und das war auch nach deren Tod nicht abgerissen.
      Inzwischen hatten sich auch Jana und Aan zu ihnen gesellt, und Diana war vollkommen abgeschrieben. Rahn trug zwar nicht sonderlich viel zum Gespräch der Anderen bei, aber mit ihr redete er auch nicht. Und Diana war dazu verdammt, neben ihm zu stehen und krampfhaft zu versuchen, seine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen, nachdem sie ihr Vorhaben, ihn für sich zu gewinnen, vorher so grandios selber zunichte gemacht hatte. Nicht, dass sie daran dachte, jetzt aufzugeben.
      Aber es war einfach frustrierend. Selbst wenn sie seine Aufmerksamkeit erregen würde, was würde sie dann tun? Sie wusste, dass er kein Interesse an ihr hatte, und wie sollte sie ihn dann dazu bekommen, dass er sich auf sie einließ? Sie konnte sich jedenfalls nicht vorstellen, dass Rahn sich spontan dazu bereit erklären würde, mit ihr zu schlafen, wenn sie einfach fragen würde.


Während die Aussicht, dass sie vielleicht wirklich einfach keine Chance bei ihm haben würde, sie beschlich, und ihr jeglichen Mut raubte, glitt ihr Blick zu ihrer Mutter hinüber. Die war gerade damit beschäftigt, Jin, der sich einen Becher Trunk genehmigte, schöne Augen zu machen. 
     Diana wurde noch wehmütiger, als sie das sah. Wie gerne nur hätte sie auch jemanden gehabt, der ihre Gefühle erwiderte. Sie wusste, dass ihre Mutter es bei Jin auch nicht einfach gehabt hatte. Sie hatte ihr gegenüber zwar nie davon erzählt, aber Jin war da schmerzloser gewesen, weshalb auch Diana inzwischen die Geschichte kannte, wie es dazu gekommen war, dass ihre Mutter und Jin zusammengefunden hatten.
      ‚Mama hatte echt Glück, dass Jin so betrunken war, mit ihr zu schlafen. Ich wünschte, Rahn wurde sich auch mal betrinken. Dann hätte er nicht so viele Hemmungen mir gegenüber.‘


Noch während sie es dachte, glitt ihr Blick unwillkürlich zu Rahn und dann zu dem Becher, der hinter ihnen auf einem der Baumstämme stand, die ihnen als Sitzgelegenheit dienen sollte. Vielleicht, wenn sie ihn betrunken machte…
      ‚Aber er trinkt nicht, soweit ich weiß‘, dachte sie resigniert. ‚Zumindest nicht so viel, dass er davon betrunken werden würde.‘
     Wie konnte sie ihn also dazu bekommen, sich zu betrinken? Sie konnte es vielleicht erreichen, dass er einen Becher trank, aber dann…
     ‚Ich frage mich, ob wir einen stärkeren Alkohol haben. Einen, der ihn mit nur einem Becher aus den Schuhen haut.‘
      Sie überlegte ernsthaft, zu Lu rüberzugehen und nachzufragen. Oder doch zu Lulu. Die braute das Zeug schließlich.


Aber bevor sie sich dazu entschließen konnte, blieb ihr Blick schließlich an Sen hängen, der gerade eine Anekdote zum Besten gab, wie er einst mit einem Bären gerungen hatte, nachdem der ihn beinahe im Schlaf überfallen hatte. Sie hatte letztens mitbekommen, wie Sen mit Armin darüber gesprochen hatte, dass er in letzter Zeit schlecht schlafen konnte. Armin hatte ihm daraufhin ein paar Kräuter gegeben, die „selbst den stärksten Bullen umhauen würden“, wie er gesagt hatte. Und das brachte Diana plötzlich auf eine Idee.
      Sie wusste, wie es sich anfühlte, betrunken zu sein. Sie hatte sich zwar noch nie wirklich betrunken, war aber das ein oder andere Mal schon angeheitert gewesen. Dann hatte sie sich immer so taub und müde gefühlt. Vielleicht würde es ja schon reichen, wenn sie Rahn einfach nur ein bisschen müde machte, sodass er nicht mehr ganz klar denken konnte.   
     Sie brauchte gar nicht weiter zu überlegen. Sie wusste, dass Sen die Kräuter unter seinem Kopfkissen aufbewahrte. Also ging sie nach drinnen, um sich heimlich ein paar davon zu holen.


Als sie dann schließlich wieder draußen war und einen Becher in der Hand hielt, in der eine Flüssigkeit mit einem stark in der Nase beißenden Geruch kleine Wellen schlug, war ihr Enthusiasmus jedoch wieder verflogen. Sollte sie das wirklich tun? Sollte sie Rahn wirklich schläfrig machen, damit er mit ihr schlief?
     „…ich empfinde nicht das für dich, was du für mich empfindest.“
     Das hatte er zu ihr gesagt. War es also wirklich richtig, was sie vorhatte? Sollte sie es nicht lieber einfach akzeptieren, dass er nun einmal nichts für sie empfand?
     „…du musst ihm nur mal zeigen, was du zu bieten hast, und dann wird er dich schon nehmen“, kamen ihr als nächstes Tanjas Worte in den Sinn.
      Sie liebte ihn. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie jemals irgendjemand anderen treffen würde, den sie so sehr liebte. Also hatte sie doch keine andere Wahl, oder? Tanja war älter als sie und sie hatte mehr Erfahrungen in solchen Dingen. Also wusste sie doch sicherlich, wovon sie sprach, nicht wahr?


Also sah sie sich verstohlen um, holte die Kräuter hervor und ließ sie in den Becher fallen. Sie gingen unspektakulär in dem trüben, goldenen Trunk unter. Diana rührte das Gemisch noch mit ihrem Finger um – nur zur Sicherheit – und dann ging sie zu Rahn zurück, der inzwischen wieder allein war.


Er machte gerade Anstalten, sich auf eine der Bänke niederzulassen, als Diana sich näherte, und da blieb er lieber gleich stehen.
     „Ich habe dir etwas zu trinken geholt“, verkündete sie mit einem gezwungenen Lächeln. Sie kam sich so falsch dabei vor.
     Rahn erwiderte das mit seinem wunderbar ehrlichen Lächeln, bedankte sich und nahm dann den dargebotenen Becher entgegen.


Diana befürchtete jeden Moment, dass er die Kräuter riechen und das damit alles auffliegen würde. Also stellte sie sich neben ihn und ließ ihn keine Sekunde lang aus den Augen, während er den ersten Schluck nahm. Dann einen zweiten, bis er den Becher schließlich wieder abstellte. Scheinbar war ihm nichts aufgefallen.
     „Wie… fühlst du dich?“, fragte sie vorsichtig nach, als er keine Anzeichen von Müdigkeit zeigte.
     „Großartig.“
     ‚Mist! Habe ich etwa zu wenig genommen?‘, befürchtete sie.


Dann plötzlich verschwand sein strahlendes Lächeln jedoch. Sein Gesicht umnebelte sich und er fasste sich an die Stirn.
     „Oh“, stöhnte er. „Es dreht sich alles…“
      Da kehrte der Schrecken zu ihr zurück. Sie hatte keine Ahnung gehabt, wie viel von den Kräutern Sen immer zu sich nahm, also hatte sie vorsichtshalber vielleicht ein bisschen zu viel genommen. Sie hatte nicht daran gedacht, dass das für Rahn vielleicht nicht so gesund sein würde.


Sofort war sie an seiner Seite und legte ihm eine Hand auf den Rücken. „Vielleicht solltest du dich besser hinlegen“, schlug sie vor. „Komm, ich bring dich rein.“
     Rahn nickte und ließ sich von ihr führen. Diana befürchtete, dass jemand auf sie aufmerksam werden und kommen würde, um zu sehen, was mit Rahn nicht stimmte, aber sie kamen unbehelligt im Haus an. Rahns schwankender Gang war inzwischen ein bisschen steter geworden, aber dennoch ließ er sich schwerfällig in sein Bett fallen, als sie seinen Arm wieder losließ.


Und da lag er nun. Die Augen geschlossen, atmete er gleichmäßig und ruhig. Diana war froh, dass ihm anscheinend nichts weiter fehlte. Sie hatte schon das Schlimmste befürchtet. Nicht auszudenken, wenn ihm etwas wegen ihrer Leichtsinnigkeit widerfahren wäre. Doch es schien ihm gutzugehen. Er schien nur zu schlafen. Oder?
     „Rahn?“, rief sie ihn leise.
     Er regte sich und stieß ein leises „Hm?“, aus. 
     Anscheinend war er noch wach, aber er schien trotzdem keinerlei Notiz von ihr zu nehmen. Sie mochte es, wenn sie ihn ganz unverhohlen betrachten konnte. Die schwarzen Locken, das filigrane Gesicht, von dem sie in letzter Zeit nicht genug bekommen konnte. Tanja hatte einmal gesagt, dass er und Lu ihr viel zu feminin aussähen und sie lieber echte Männer wie Alin haben wollen würde, aber Diana fand das nicht so. Sie hatte noch nie einen Mann getroffen, der ihr so sehr gefallen hatte, wie Rahn. Auch wenn er vielleicht femininer war, als andere. Auch wenn er sehr viel älter war, als sie. Es änderte trotzdem nichts daran, dass allein sein Blick ihr Herz zum schneller schlagen brachte. Alles, was sie dann noch wollte, war, bei ihm zu sein.


Bevor sie sich versah, hatte sie ihre Jacke und ihre Mütze abgestreift, und dann war sie ihm so nahe, wie noch nie zuvor. Sie konnte seine langen, dunklen Wimpern sehen, seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht spüren, und plötzlich wurde ihr heiß und kalt.
      ‚Was nur tue ich hier?‘, begehrte eine kleine Stimme in ihr auf.
     Aber Diana ignorierte sie und als sie sich niedersenkte, war jeglicher Zweifel verschwunden.


Rahn hatte diese Nacht einen überaus merkwürdigen Traum. Er handelte von ihm und Diana, und was sie da mit ihm angestellt hatte, gehörte zu den Dingen, für die er sich später in Grund und Boden schämen würde, wenn er sie sehen würde. Es war nicht so, dass er plötzlich angefangen hatte, sich für sie zu interessieren. Er hatte sie nie als Frau gesehen und das hatte sich auch jetzt nicht geändert. Aber anscheinend beschäftigte diese ganze Sache ihn doch mehr, als er angenommen hatte.


Er war jedenfalls froh, als er am nächsten Morgen erwachte und er allein in seinem Bett war. Weniger froh aber war er über den Schmerz, der durch seinen Kopf kroch, und der sich dann in seinem ganzen Körper breitmachte. Im Gegensatz zu Tann hatte er sich bis jetzt niemals wirklich alt gefühlt, aber an diesem Morgen schien er jedes einzelne Jahr zu spüren, das er bereits erlebt hatte.


Mit der Hoffnung, dass ein ordentliches Frühstück die Schwäche vertreiben würde, quälte er sich auf die Beine. Aber er kam keine drei Schritte weit, bis plötzlich wieder Diana vor ihm stand. Entgegen seiner Annahme war es aber keine Scham, die ihr Anblick bei ihm auslöste, sondern Schuld. 
     Er wusste, dass es für sie sehr schwer gewesen sein musste, gestern wieder auf ihn zuzugehen. Er kannte den Schmerz der Abweisung schließlich selber gut genug, und vor allen Dingen bei der ersten Liebe war das schwer. Noch zu gut hatte er in Erinnerung, wie er damals gedacht hatte, dass er sich nie wieder davon erholen würde, als Dana ihn nicht gewollt hatte. Jetzt konnte er über diese Gedanken nur noch schmunzeln, aber damals hatte ihn das wirklich niedergeschlagen.


Diana derweil hatte lange darüber nachgedacht, wie sie Rahn nun am besten begegnen sollte. Da sie nun einmal leider nicht allein lebten, hatte sie schlecht die Nacht bei ihm im Bett verbringen können. Und da er am gestrigen Abend beinahe wie tot unter ihr gelegen hatte, war sie sich nicht einmal sicher, ob er mitbekommen hatte, was sie ganz sicher nie vergessen würde. Deshalb musste sie erst herausfinden, an was er sich überhaupt erinnerte.
     „Also, Rahn, ich wollte dir nur sagen, dass letzte Nacht mir viel bedeutet hat“, begann sie, als sie sich sicher war, dass niemand in der Nähe war, um zu lauschen. Wie sie feststellen musste, fiel es ihr plötzlich sehr viel einfacher, mit ihm zu reden, nachdem sie ihm so nahe gewesen war.
      Doch Rahn sah aus, als hätte sie ihm gerade davon erzählt, dass Schweine fliegen könnten. Ahnungslos, vielleicht ein bisschen erschrocken. Er war doch nicht erschrocken, oder?
      „Was… ist denn gestern Nacht passiert?“, wagte er schließlich, nachzufragen.
      „Naja, du und ich…. wir haben…. du weißt schon…“
     Sie brach ab und grinste stattdessen verlegen vor sich hin.


Als Rahn keinen Mucks mehr von sich gab, riskierte sie einen Blick und erschrak. Die Augen weit aufgerissen, starrte er sie erschrocken an.
      „Diana, ich… das…“, stammelte er. „Bei den Göttern, Diana, das tut mir leid! Das wollte ich nicht! Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist!“
     „Du warst betrunken“, half Diana vorsichtig auf die Sprünge.
     „Betrunken!“, rief er beinahe etwas zu laut. „Wie konnte das nur passieren?“ Dann sah er sie wieder direkt an und sein schuldbeladener Blick ließ sie zusammenzucken. „Es tut mir so leid, Diana!“, wiederholte er.


Das ist es aber nicht, wie er reagieren sollte‘, dachte Diana. ‚Er sollte sich doch eigentlich freuen. Er sollte erkennen, dass ich eine Frau bin und sich in mich verlieben.‘
      Doch hatte sie wirklich gedacht, dass das funktionieren würde? Ihn müde zu machen, um mit ihm zu schlafen? Selbst sie musste einsehen, dass das ein ziemlich dämlicher Plan war. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Und wichtiger noch – was sollte sie jetzt tun? Sollte sie für sich behalten, was sie getan hatte und Rahn in dem Glauben lassen, dass es seine schuld war, dass er sich betrunken hatte? Oder sollte sie ihm die Wahrheit erzählen und riskieren, dass er sie hassen könnte?
      Ein Blick auf sein schuldbeladenes Gesicht genügte, um ihr die Antwort zu geben.


 „Ich… muss dir etwas sagen“, begann sie kleinlaut. „Ich habe ein paar der Kräuter, die Sen zum Schlafen nimmt, in deinen Becher getan und danach warst du… naja, nicht ganz bei dir, als wir… als ich mit dir geschlafen habe…“
      Rahns Schrecken war nach und nach immer mehr Überraschung gewichen, und jetzt sah sie schließlich die Gewitterwolke, die sich in seinem Gesicht breit machte. Wie befürchtet.


 „Was? Wie konntest du so etwas nur tun, Diana? Ich dachte, du bist erwachsen genug, um keine solche Dummheiten zu machen! Ich bin ehrlich enttäuscht von dir und ich hoffe, du weißt, dass ich von jetzt an will, dass du dich von mir fernhältst, hast du verstanden?“
      Alles, was Diana noch tun konnte, war zu nicken. Ihr fehlten jegliche Worte. Mit einem schrecklich flauen Gefühl im Magen wurde ihr bewusst, dass sie jegliche Chance bei Rahn nun endgültig vertan hatte. Wie nur hatte sie so dumm sein können? 
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 Hier weiterlesen -> Kapitel 64

Diana hat Rahn sexuell missbraucht. Ihre Motive und Herangehensweise waren zwar andere, als die von Dia Hell, aber im Endeffekt lief es auf dasselbe hinaus: Sie hat gegen Rahns Willen mit ihm geschlafen. Vielleicht mögen jetzt einige sagen, dass das ja nicht so schlimm für ihn ist, weil er ein Mann ist, aber sexueller Missbrauch von Männern ist genauso schlimm, wie der von Frauen, und obwohl kaum davon gesprochen wird, ist es etwas, das trotzdem geschieht.
Deshalb tut es mir auch echt leid, dass ich das Rahn angetan habe (entschuldige Rahn, ich bin echt nicht nett zu dir :( ...) und deshalb verurteile ich auch Diana, trotz ihrer Unwissenheit und Naivität. Ich bin nur froh, dass ich das diesmal nicht so detailiert bebildern musste, wie bei Jana damals.

 Da ich gar nicht so viel mehr darüber schreiben will, geht es gleich mit der Vorschau weiter. Nächstes Mal versucht Diana, Rahn zu erreichen und es geht zu einem Besuch zu Händler Alin.

Bis dahin, danke fürs Vorbeischauen und ich verabschiede mich.

PS: Wie bereits im Forum angesprochen, hier noch der Link zu Wulfgars Geschichte. Ansonsten findet ihr alle neuen Kapitel unter dem entsprechenden Reiter oben auf meiner Seite.
 

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