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21.03.2019: Da ich gerade die Seite umbaue, ist die Charakterseite für Generation IV bis morgen zum Release des neuen Kapitels offline. Die von Generation III befindet sich ebenfalls im Umbau, ist teils also unfertig.

Montag, 26. März 2018

Kapitel 38 - Anya (und Akara)



Das Wasser der Nachbarn war letztendlich natürlich nicht vergiftet. Aber Elrik hatte, seit er anscheinend Kontakt zum Feind hatte, noch mehr unter der Bewachung seines Vaters zu leiden als zuvor schon. Als sie noch Kinder gewesen waren, war es ihnen nicht erlaubt gewesen, den Hof allein zu verlassen, aber obwohl er inzwischen alt genug war, um allein zu entscheiden, was er tat, hatte sich das eigentlich nicht geändert. Noch immer konnte er nirgends allein hingehen, ohne sich danach nicht unzählige Fragen gefallen lassen zu müssen.
      Deswegen musste immer wieder sein bester Freund Aan herhalten, um ihn zu decken, während er sich mit Akara traf. Was er die letzte Zeit natürlich immer wieder getan hatte. Es verging kaum ein Moment, an dem er nicht daran dachte, sie wiederzusehen. Ihr Lächeln, ihre wunderschönen Augen, das Haar, das in der Sonne so wunderbar rötlich schien.


Doch sein Vater schöpfte Verdacht. Und deswegen war Elrik dazu gezwungen, an diesem heißen Sommertag doch tatsächlich einmal mit Aan zum Strand zu gehen. Nicht, dass er daran dachte, auch wirklich zu tun, was man von ihm erwartete.
     „Ich bin ja eigentlich kein Freund von diesen überholten Traditionen, aber nach mir geht es nun mal nicht, und deshalb solltest du diesmal vielleicht wirklich einfach mal das Fischen üben“, fing Aan gerade an. „Ich glaube, es gibt niemanden, der so schlecht darin ist wie du. Und du wolltet doch deinen Vater ablösen, oder nicht?“
     Elrik stöhnte genervt. „Du hast gut reden! Du musst das ja schließlich nicht machen!“, beschwerte er sich.


Aan verzog unglücklich das Gesicht und was er dann sagte, kam für Elrik vollkommen unerwartet. „Naja, wenn ich Jana wirklich haben will, muss ich das schon. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sie einen Mann zum Gefährten will, der nicht mal jagen kann.“
     Warte… was? Seit wann war sein Freund denn bitte an Jana interessiert?


Elrik fehlten über diese Offenbarung vollkommen die Worte, doch da wurden sie plötzlich unterbrochen und er kam nicht mehr dazu, das Thema weiter zu vertiefen. Eine schwarzhaarige Frau tauchte auf und Elrik erkannte in ihr eine der Hell-Schwestern. Akara hatte ein paarmal über sie gesprochen, aber er hatte sich ihren Namen nicht gemerkt.
     Als die Hell-Schwester sie erblickte, kam sie jedenfalls zwischen ihnen zum Stehen und machte sich daran, Aan ausgiebig zu mustern.
     „Du bist aber niedlich“, urteilte sie schließlich. „Wenn du mal Lust hast, kannst du mich gerne besuchen kommen.“


Dann bekam Elrik ihren prüfenden Blick ab und er fühlte sich augenblicklich etwas unbehaglich. Etwas sehr unbehaglich. Sie brauchte wesentlich länger für ihr Urteil und sie zog dabei eine merkwürdige Grimasse nach der Anderen. Die Szene zog sich derweil in die Länge, Aan tat ihm auch nicht den Gefallen zu sprechen, und während das Ganze nur vom Rauschen des Meeres untermalt wurde, konnte Elrik nichts anders tun, als sich wie ein Beutetier vorzukommen.


„Ah, du bist das! Der Sohn vom Oberhäuptling! Und du bist endlich alt genug, damit ich deine Frau werden kann!“, stellte sie schließlich erfreut fest.
     Elrik konnte nicht verhindern, dass ihm ein erschrockenes „Was?“ entwich.
     „Na, erinnerst du dich nicht mehr? Ich bin’s, Anya, deine neue Frau!“, sagte sie, als wäre das selbstverständlich.


Elrik wollte protestieren, aber sie ließ ihn nicht. Stattdessen nahm sie seine Hand und zog ihn mit sich.
     „Komm, lass uns zur Feier des Tages ein bisschen schwimmen gehen, Liebster!“


Noch bevor ihre Füße das Wasser berührten, hatte Anya sich ihrer Kleider entledigt und das war dann die Chance für Elrik, ihrer Umklammerung zu entkommen. Während sie ihren Weg unbeirrt ins kühle Nass fortsetzte, blieb er an Land zurück.
     Da erschien dann endlich auch Aan an seiner Seite, aber anstatt Rettung, hatte er nur ein zufriedenes Grinsen für die offenherzige Frau übrig. Elrik hingegen wollte gerade nichts lieber, als im Boden zu versinken.
     „Muss echt schön sein, du zu sein“, setzte Aan noch einen oben drauf. „Ich lass euch zwei dann mal lieber allein.“


Im nächsten Augenblick war Aan auf und davon und Elrik sah sich plötzlich der Nackten gegenüber, bevor er auch nur um Hilfe rufen konnte. Sein Blick rutschte vor Schreck nach unten, dann zwang er sich jedoch, ihr stur in die Augen zu sehen. Das konnte doch alles nicht wahr sein!
     „Willst du nicht auch ins Wasser kommen, Liebster?“, fragte sie süßlich.
     Elrik bekam nur ein Stottern heraus, woraufhin Anya erneut übernahm.


 „Oh, ich versteh schon! Du hattest noch keine Frau vor mir, was?“ Und bevor er es verhindern konnte, hatte er sie um den Hals hängen. „Ach, wie niedlich du bist, Liebster! Keine Sorge, ich werde dir zeigen, wie das geht!“


Im nächsten Moment fiel er vornüber und hatte sie unter sich. Er konnte sich gerade noch so abfangen, um nicht auf sie zu fallen. Aber dafür hatte er jetzt einen vollen Ausblick, der ihm augenblicklich die Röte ins Gesicht trieb. Als er sich zwang, ihr wieder ins Gesicht zu sehen, traf ihr erwartungsvoller Blick ihn und Elrik wollte nichts lieber, als gerade im Meer unterzugehen. Die Abkühlung würde ihm gerade zumindest ganz gut tun.


 Doch die kam im nächsten Moment bereits in Form von Jana. Einer überaus aufgebrachten Jana dazu. Anya klammerte sich besitzergreifend an ihn, sodass ihm kurz die Luft wegblieb, und Elrik beschloss, dass er das Meer definitiv gerade vorziehen würde.
     „Was, zum Kuckuck, tut ihr zwei da?“, begrüßte Jana sie anklagend, als sie vor ihnen zum Stehen kam. „Am helllichten Tag und wo euch alle sehen können! Schämt ihr euch etwa nicht?“


Immerhin bewirkte Janas Auftauchen, dass Anya ihn freigab. Sofort war er auf den Beinen und ging auf Abstand, bevor sie noch einmal auf die Idee kommen konnte, ihn anzuspringen. Elrik wollte gar nicht wissen, wie die Situation weitergehen würde. Er hatte auch überhaupt keine Ahnung, was er dazu sagen sollte. Er wollte doch nur nach Hause!
      Da kam jedoch Rahn zu Hilfe, der scheinbar bis vor kurzem mit Jana und ihrem Bogen unterwegs gewesen war. Er konnte sich ein Grinsen in Elriks Richtung nicht verkneifen, als er dessen erschrockenes Gesicht sah.


„Vielleicht solltest du dir etwas anziehen“, sagte er dann an Anya gewandt und er verhielt sich dabei, als würde sie nicht gerade nackt vor ihnen allen stehen.
     Anya brauchte einen Moment, ihr Kleid zu finden, das sie geschickt mit dem Fuß vom Boden klaubte und sich in einem Rutsch über den Kopf zog. Dann begann sie, Rahn zu mustern.
     „Hey, du bist auch niedlich!“, meinte sie.
     Und Elrik konnte nichts anderes tun, als überfordert vor sich hinzustarren, während Jana versuchte, Löcher in Anya zu starren.


Erschrocken vor sich hinstarren tat Elrik auch noch, als er dann wieder daheim und von Anya befreit war. Und sogar, als Aan ihn und Jana später fand, und die gerade versuchte, ihn mit Blicken zu durchlöchern, tat er das noch.
     „Was ist denn mit euch los?“, fragte Aan, als er in die Gesichter seiner Freunde sah.


Da fand Elrik dann auch endlich seine Stimme wieder. „Die nackte Frau, mit der du mich allein gelassen hast, die war los!“, erwiderte er beleidigt.
     Sofort traf Janas Blick jetzt Aan erbarmungslos. „Was? Du hast das auch gesehen?“
     Aan zog den Kopf ein und versuchte sich an einem Lächeln, das schief wurde.


Elrik war aber gerade glücklicherweise fertig mit Schmollen, um ihn vor Janas Wut zu retten. „Wenn Akara das gesehen hätte!“, lamentierte der.
     „Wer ist Akara?“, fragte Aan.
     „Ich hab sie letztens erst getroffen und ich plane, sie zu fragen, ob sie nicht herkommen und meine Gefährtin werden will“, erzählte Elrik und schon allein beim Gedanken an seine Akara stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht.


„Ach, Rahn kann mir gestohlen bleiben! Ich brauche keinen Mann!“, unterbrach Jana das Gespräch plötzlich.
     Dann drehte sie ab und ging. Aan hörte das natürlich mit Wohlwollen, doch Elrik war sich nicht so sicher, ob das ein Grund für seinen Freund zur Freude sein sollte. Doch er war mit den Gedanken ohnehin noch immer bei Akara. Wie eigentlich immer die letzte Zeit.


Jana indes stieß zu Tanja und Luis, die gerade am Schrein standen. Normalerweise pflegten Jana und Tanja sich wie die Pest zu meiden, aber gerade schien Jana deren Gegenwart angenehmer, als die der Größeren, die sich nur noch für Frauen zu interessieren schienen, seitdem sie herangewachsen waren.
     „Was macht ihr Dumpfbacken da?“, fragte sie.
     Tanja grinste. „Luis guckt immer so blöd in letzter Zeit, da hab ich ihn gefragt, ob er nicht richtig sehen kann oder so. Und weil er meint, dass das Quatsch ist, hab ich ihm gesagt, dann soll er mir halt mal sagen, was da auf dem Schrein draufsteht. Aber so lange, wie der schon da drauf starrt, ist der wahrscheinlich blind oder so.“


Was Luis augenblicklich dazu brachte, vom Schrein zurückzuschrecken und sich Tanja eingeschnappt zuzuwenden.
     „Das ist gar nicht wahr!“, rief er empört.
     Aber dennoch würde er Tanja eine Antwort auf ihre Frage schuldig bleiben. Nicht, dass er vor ihr jemals zugeben würde, dass die Zeichen auf dem Schrein für ihn inzwischen nur noch weiße Flecken waren.


Es war der nächste Morgen. Der Himmel war zur Abwechslung mal bewölkt und Elrik war gerade unterwegs zu seinem wenig geliebten Training, als jemand leise seinen Namen rief. Er erschrak zuerst und erschrak dann noch ein bisschen mehr, als er schließlich erkannte, wer ihn gerufen hatte. 
     Es war Wirt, der halb verborgen hinterm Heuhaufen stand und der ihn gerade zu sich winkte. Was machte ausgerechnet er denn hier? Wenn sein Vater ihn sehen würde, würde er ausrasten.


Genau das war es auch, was er seinem Freund als Erstes sagte. Doch Wirt hatte etwas viel Beunruhigenderes für ihn.
     „Akara ist seit gestern Mittag nicht mehr Zuhause gewesen“, eröffnete er. „Sie hat die letzte Zeit immer wieder von dir erzählt und ich dachte deshalb, sie sei vielleicht bei dir. Weißt du, wo sie ist?“
     Elrik wusste es nicht. Und die Vorstellung, dass seiner Akara etwas zugestoßen sein könnte, erschreckte ihn am allermeisten.


Elrik hatte nur eine Idee, wo Akara sich aufhalten könnte. Sie hatten sich die letzte Zeit schließlich immer wieder dort getroffen. Also stahl er sich erneut davon, auch wenn das für ihn diesmal bestimmt großen Ärger bedeuten würde.
     Zu seiner unendlichen Erleichterung fand er Akara dann auch tatsächlich an ihrem gemeinsamen Tümpel vor. Sie war ein kleiner, zusammengekrümmter Haufen am Fuße Baumes. Und als Elrik das sah, erschrak er. Hoffentlich war ihr nichts passiert.


„Akara! Da bist du ja!“
     Die Angesprochene zuckte zusammen und ein paar große, tränennasse und rote Augen trafen ihn unvorbereitet. Im nächsten Augenblick war sie auf den Beinen und es war ihm, als ob sie auf Abstand ging.
     So wie ich gestern, als ich von ihrer Schwester überfallen worden bin‘, kam ihn in den Sinn und das beunruhigte ihn.
     „Was ist denn passiert? Hast du dich verletzt?“, fragte er besorgt.
     „Nein, es ist… alles in Ordnung.“
     „Du warst die ganze Nacht verschwunden. Wirt hat sich Sorgen gemacht.“ Er zögerte. „Und ich auch“, fügte er hinzu.
     „Ich habe die Zeit vergessen.“
     Ihre Nase leuchtete rot. Ihre Stimme klang ausdruckslos. Es war offensichtlich, dass sie geweint hatte und dass sie gerade log.
     „Was ist los?“ Er wartete und als sie schwieg, drang er weiter auf sie ein: „Du kannst es mir erzählen. Wir sind doch Freunde, oder? Ich werde es auch niemandem erzählen, wenn du es nicht willst.“


Plötzlich wurde sie wütend. „Ich sagte doch, dass alles in Ordnung ist! Lass mich einfach in Ruhe! Du nervst!“
     Für einen Moment sah sie ihn genauso überrascht an wie er sie. Dann ruderte sie zurück. „Ich meine… Entschuldige, ich wollte nicht gemein sein. Mach dir keine Sorgen. Ich… will nur gerade allein sein“, bat sie zerknirscht.
     Elrik machte sich natürlich Sorgen. Er hatte keine Ahnung, was mit ihr los war, aber es war offensichtlich, dass etwas nicht stimmte. Sie wollte es ihm bloß nicht erzählen und das machte ihn ein bisschen traurig. Dabei würde er ihr doch auch alles erzählen.
     „In Ordnung. Ich werde dich allein lassen. Aber wenn du damit fertig bist, dann komm zu mir. Ich warte da drüben.“
     „Ich sagte doch, dass ich alleine sein möchte!“, erwiderte sie bissig. „Wenn du da hinten bist, bin ich aber nicht allein! Geh nach Hause!“
     „Ich mache mir aber Sorgen um dich. Ich will dich jetzt lieber nicht allein lassen.“


Im nächsten Moment stand sie plötzlich vor ihm und er wurde zurückgestoßen. Ihr Stoß war nicht stark genug, um ihn umzuwerfen, aber der Schock darüber, dass sie ihn geschubst hatte, ließ ihn beinahe das Gleichgewicht verlieren. Was hatte er getan, um das zu verdienen? Er fühlte einen bösen Stich in seinem Herzen.


 „Ich habe doch gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen! Bist du taub oder was?“, keifte sie.
     „Ich will doch nur…“
      Er hatte sie noch nie so wütend gesehen. Er hätte ja nicht einmal gedacht, dass Akara mit dem strahlenden Lächeln wütend werden konnte. Und sie war noch nicht fertig damit.
     „Was? Du interessierst dich doch überhaupt nicht für mich! Alles, was dich interessiert, sind doch nur Anyas große Brüste!“             


Sie starrte ihn noch einen Moment länger in Grund und Boden, bis sie schließlich selber realisierte, was sie gerade gesagt hatte. Ihr Mund klappte ungläubig auf und sie brauchte mehrere Anläufe, um überhaupt zu sprechen.
      „Bei den Göttern! Elrik, das… tut mir so furchtbar leid! Ich weiß nicht, was… ich…“
      Sie brach ab und einen Moment lang hatte sie mit ihren Tränen zu kämpfen. Elrik streckte erschrocken die Hände nach ihr aus, als er das sah, zog sie dann aber sicherheitshalber lieber zurück. Er hatte keine Ahnung, was gerade vor sich ging.
      „Es ist schon wieder passiert! Egal, was ich auch tue, es wird nichts daran ändern, dass ich seine Tochter bin! Dass ich genauso sein werde wie er! Ich bin… ich bin schrecklich! Grässlich!“ Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen und als sie wieder aufsah, war nur noch blanke Erschütterung in ihrem Augen zu sehen. „Eines Tages werde ich genauso hasserfüllt sein wie er!“


Er konnte die Erkenntnis und den Horror darüber deutlich in ihrem Gesicht sehen. Nur einen Moment lang, doch es reichte aus. Dann wurde es von ihm abgewandt, als sie versuchte, vor ihm davonzulaufen. 
     Elrik hatte noch immer keine Ahnung, was geschah, noch, was er tun sollte, um die Situation zu retten, aber er wusste, dass er sie nicht gehen lassen würde. Nicht nach dem, was sie gerade gesagt hatte. Denn da gab es etwas, das er ihr unbedingt dazu sagen musste.
      Also setzte er ihr nach und nach einigen Schritten hatte er sie schließlich eingeholt. Er bekam sie am Arm zu fassen, aber sie wehrte sich eine Weile dagegen. Schließlich aber gab sie auf. Ihre dünnen Arme ermatteten und sie sah so klein und zerbrechlich aus, dass er sie nur noch in den Arm nehmen und beschützen wollte.


„Wer sagt denn, dass du wie dein Vater werden wirst?“, fragte er verständnislos. „Du bist vollkommen anders als er. Du warst es doch schließlich, der Frieden wollte, oder etwa nicht?“
      Sie riss sich von ihm los und lachte bitter. Da war so gar keine Freude mehr in ihrem Lachen. Keine Sonne. „Das wollte meine Mutter auch einmal und sieh sie dir jetzt an! Wenn ich nicht wie mein Vater werde, dann werde ich wie meine Mutter enden! Das ist auch nicht besser! Nicht einmal zu wissen, was man tut!“ Sie schloss die Augen und ihre Stimme war nurmehr ein Flüstern. „Ich will nicht so werden…“


Er wollte ihr so unbedingt helfen. Also ergriff er ihre Hände und hielt sie fest. Sie waren so klein und zierlich in den Seinen. 
     „Das wirst du auch nicht! Ich werde auf dich aufpassen!“, versprach er.
     „Nein, du kannst nicht dauernd auf mich aufpassen, Elrik! Wenn du erst einmal Stammesführer bist, wirst du genug andere Dinge zu tun haben. Und… wenn du Vater bist, erst recht…“
     Das war seine Chance. Er hatte bislang noch nicht überlegt, wie er sie fragen sollte, aber wenn nicht jetzt, wann denn dann? Es war nur so viel schwieriger, als dass er es sich vorgestellt hatte. Er konnte nicht aufhören, Angst davor zu haben, dass sie ihn abweisen würde. Dass er erfuhr, dass sie ihn eigentlich nicht ausstehen konnte.
     „Ja, also… Deswegen wollte ich dich auch noch fragen, ob du nicht zu uns kommen willst“, begann er schüchtern. „Also Teil meines Stammes werden willst, meine ich.“
     „Nein… ich meine, ich würde gerne, ja, aber du wirst auch verstehen, dass ich nicht gerade darauf brenne, dich und Anya dauernd zusammen zu sehen…“


Plötzlich war ihr Gesicht so unglücklich, dass es Elrik selber unglücklich gemacht hätte. Wenn er momentan nicht so verwirrt gewesen wäre.
     „Wieso mich und Anya?“
     „Weil sie doch deine Gefährtin wird...“
     „Seit wann das?“
     Jetzt legte sich auch ihre Stirn irritiert in Falten. „Aber ich habe euch doch letztens… am Strand…. Also… Ich dachte, ihr zwei wäret jetzt Gefährten.“
     „Nein, sind wir nicht.“
     „Oh…“


Sie schien sich beruhigt zu haben. Vielleicht war jetzt eine gute Gelegenheit, nochmal nachzufragen. Auch wenn er sich nicht sicher war, ob sie nicht gleich wieder wütend werden würde. Oder traurig. Langsam fragte er sich, ob das eigentlich normal war. Ob alle Frauen von Zeit zu Zeit so merkwürdig wurden. Es war, ehrlich gesagt, ein bisschen beängstigend.
     „Also, da das jetzt geklärt ist, willst du jetzt?“
     Sie schien aus ihren Gedanken zu schrecken und einen Moment tat sie nichts anderes, als ihn anzustarren. „Was?“
     „Na, zu mir zu kommen und bei mir leben. In meinem Stamm, meine ich.“ Er zögerte und dann gab er sich schließlich einen Ruck. „Als meine Gefährtin.“
     Er rechnete mit allen möglichen Ausbrüchen, aber stattdessen starrte sie ihn nur weiter an. Er fragte sich, ob er jemals aus ihr schlau werden würde. Er hatte eigentlich gedacht, dass Akara nicht so kompliziert sein würde.  
     „Wirklich?“, fragte sie schließlich fassungslos. „Willst du das wirklich? Du hast doch gerade gesehen, wie ich wirklich bin…“
     Elrik war sich nicht sicher, was er gerade eigentlich gesehen hatte. Aber stattdessen sagte er: „Jetzt will ich dich nur noch mehr vor deinem Vater beschützen.“


Er befürchtete schon das Schlimmste, aber letztendlich blieb die Schlechtwetterfront glücklicherweise aus und der Sonnenschein kehrte nach so vielen Wolken auf ihr Gesicht zurück. Und als er ihr strahlendes Lächeln sah, war er zutiefst erleichtert und die Sonne kehrte auch in sein Herz zurück. Wie sehr er es vermisst hatte, sie lächeln zu sehen.


Anstatt ihm zu antworten, war sie ihm im nächsten Moment um den Hals gefallen und im Gegensatz zu ihrer Schwester fühlte er sich nicht erwürgt davon. Im Gegenteil. Jegliche Gedanken waren augenblicklich aus seinem Kopf gewischt, als er ihr das erste Mal nahe sein konnte. Als er den Geruch von Meersalz und Essen wahrnahm, der sie umgab und er sich wünschte, sie nie wieder loslassen zu müssen.
     Er liebte sie so sehr. Also sagte er ihr das. Und als sie dann sagte „Ich liebe dich auch!“ war er so glücklich, als wäre gerade nichts zwischen ihnen geschehen. Als hätte sie ihm nicht gerade auch ihre hässliche Seite gezeigt.


Eine Weile lagen sie sich nur in den Armen, bevor sie dann schließlich ihren Kopf hob und er sie küssen konnte. Er hatte noch nie zuvor ein Mädchen geküsst. Er hatte sich das bis vor kurzem nicht einmal vorstellen können. Aber jetzt, als er es tat, schwor er sich, dass er sie von nun an beschützen werde, komme, was da auch wolle.
     In diesem Moment schien alles andere unwichtig zu sein. Alle seine Sorgen so weit entfernt. Niemand von ihnen dachte in diesem wundervollen Moment daran, was für Probleme ihre Liebe mit sich bringen könnte. Dass ihre Liebe vielleicht auf Unverständnis stieß. Und zu Auseinandersetzungen führen könnte, die keiner von ihnen wollte.
     In diesem Moment gab es nur sie beide und Elrik wünschte sich, dass dieser Moment niemals vorbeigehen würde.
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Hier weiterlesen -> Kapitel 39 

Wenn das mal gutgehen wird. Wir können uns alle bestimmt lebhaft vorstellen, wie erfreut ihre Eltern über diese Neuigkeit sein werden.

Es ist diesmal etwas sehr dramatisch geworden, aber muss ja auch mal sein. Wünschte nur, dass ich da ein bisschen mehr Romantik hätte reinbringen können. Aber wie sich herausgestellt hat, ist Akara auch nicht nur heiter Sonnenschein. Es ist eben nicht gerade leicht, bei den Hells aufzuwachsen. Das gilt für alle Hell-Kinder.
Und was Anya angeht... zu ihr zu gegebener Stunde mehr.

Nächstes Mal dann tritt Elrik seine Bewährungsprobe an.

Bis dahin verabschiede ich mich und danke fürs Vorbeischauen! 

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